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Nellie Bly

«Lass dich als Geisteskranke ins Irrenhaus Blackwell’s Island einweisen, schreibe alles auf, ob gut oder schlecht, und höre auf zu lächeln», lautet die Anweisung des Chefredaktors von Josef Pulitzers Zeitung New York World an die 23-jährige Reporterin Nellie Bly, die eigentlich Elizabeth Jane Cochran heisst. In einer von Männern dominierten Medienwelt – nur sieben Prozent sind weibliche Journalisten – erhält Bly einen investigativen Auftrag! Sie war zwei Jahre zuvor mit ihrem forschen Leserbrief zur Stellung der Frau im Pittsburgh Dispatch aufgefallen und hatte daraufhin kleine journalistische Aufträge erhalten, die sie aber bald langweilten. Bly zieht nach New York, wo sie der New York World vorschlägt, mit einem Einwanderungsschi von Europa nach Amerika zu reisen, um darüber zu schreiben. Sta dessen erhält sie den Irrenhaus-Auftrag. Sie geht das Risiko ein, täuscht alle Ärzte und verbringt zehn Tage in der Anstalt. Das macht Nellie Bly zur ersten amerikanischen Undercover-Journalistin. Ihre landesweit Aufsehen erregende Zeitungsreportage erscheint noch im gleichen Jahr als Buch. Ihre Arbeit als «Girl Stunt Reporter», die damit einen Aufschwung erfährt, zeigt Wirkung: Zwei Wochen nach der Publikation leitet der Staatsanwalt eine Untersuchung ein, der Umgang mit den Patientinnen wird sofort verbessert.

TEXTE IN REPORTAGEN

Nellie Bly

«Wo sind wir?», fragte ich. «In der Irrenanstalt auf Blackwell’s Island», antwortete sie traurig. Die historische Reportage.