Adieu, Herr Longchamp

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Immer wenn die Schweiz abstimmt, kommt die Stunde der Erklärer. Jetzt tritt der bekannteste von ihnen ab.

Samuel Tanner

Es ist ein stiller Moment, in dem sich Claude Longchamp auf den Aufstand der Schweiz vorbereitet. Noch wissen nicht viele davon, er hat einen Vorsprung, aber nicht mehr für lange Zeit. Longchamp steht im Dunkeln, in kalten Farben beleuchtet das iPad sein Gesicht.

Wenn er aufschaut, sieht er schwarze Vorhänge. Dahinter liegen, wie eine Traumlandschaft, die Kulissen des Schweizer Fernsehens. In roten Tönen die Diskussionsrunde Arena, wo ein Politikerleben beginnen – und in blauen Tönen das Enthüllungsmagazin Rundschau, wo es enden kann. Die Kulissen einer ganzen Karriere, verteilt auf ein paar Quadratmeter. Anfang und Ende.

Claude Longchamp, 60, kommt seit fünfundzwanzig Jahren in diese Studios. Es gab immer wieder Anfeindungen gegen ihn, von Politikern und von Konkurrenten, aber er hat sie alle überstanden. Longchamp ist bis heute der einflussreichste Politologe der Schweiz. Der Mann mit der Fliege. Vor einer Abstimmung steuert er mit seinen Umfragen die Stimmung im Land – und als Berater die politischen Kampagnen. Am Tag der Wahrheit, dem Abstimmungssonntag, rechnet er am Bildschirm die Ergebnisse hoch und deutet dann die Lage. Longchamp steht im Maschinenraum der Politik und zieht an den Hebeln. Es gab eine Zeit, da konnte man meinen, er stehe allein in dem Raum. Aber Zeiten ändern sich.

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