Der Araber vor der Kita

Diese Geschichte steht nur Abonnenten zur VerfügungLock icon

Multikulti ist gut, bis ein fremdländischer Vater sein Kind abholt.

Susanne Donner

An diesem Tag im März 2016 drücken die Wolken dick und voluminös wie klamme Daunendecken auf die Stadt und verlaufen mit dem milchig-trüben Nebel in der Luft. Das Wetter bringt den Menschen in eine triste Zwischenzone, nicht Tag, nicht Nacht, findet Tarik Zeki und denkt einen Augenblick an den schwarzblauen Sternenhimmel bei Nacht und die gleissende Sonne am Tag in seiner Heimat Ägypten. Die Gegenwart lässt ihm keine Zeit, solchen Gedanken nachzuhängen. Seine Tochter Soraya quengelt und kniet, das Gesicht zu ihm gedreht, im Kinderwagen. Er nimmt sie auf seinen linken Arm und balanciert den Wagen schlingernd mit der Rechten über das Kopfsteinpflaster. Soraya liebt diesen Sitz, auf Augenhöhe mit ihrem Vater wippt sie in ihrem grünen Skianzug und ihrer roten Bommelmütze darauf wie eine kleine Königin in ihrer Sänfte. Und sie ist ja auch seine Königin, sein erstes Kind, etwas mehr als ein Jahr alt.

Das Brummen entfernter Baumaschinen schallt über die Strasse, sonst regt sich nichts in der Auffahrt zur Kindertagesstätte. Es ist eine jener Betriebskindertagesstätten eines erlesenen Arbeitgebers, für die Architekten viele Zeichnungen anfertigen und vom Stäbchenparkett bis zu den Turngeräten an nichts sparen. Ruhig für die Kinder und doch unglaublich zentral. Zekis Frau arbeitete dort vor der Geburt, weshalb die Familie den seltenen Vorzug geniesst, dass Soraya hier untergebracht werden darf.

Als Abonnent steigen Sie bei Reportagen wegbereitend ein und können diesen und alle weiteren Artikel hier auf der Website lesen. Ausserdem ermöglichen Sie ganz direkt, dass unsere Autorinnen und Autoren, abseits der ausgetretenen Pfade spannende Geschichten aufspüren können.
Susanne Donner unterwegs:
AutorIn
Themen
Region