Die Zellen meiner Schwester

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Wenn der eigene Körper zum Feind wird. Ein Selbsterfahrungsbericht.

Christian Schmidt

Meine Güte, ich bin ja so nett geworden. So warmherzig. Das stellte ich fest, als ich kürzlich einem Autofahrer den Weg erklärte. Als er sich verabschiedete, antwortete ich: «Einen schönen Tag. Viel Glück. Machen Sie’s gut! Fahren Sie vorsichtig!» Fast hätte ich ihn aus dem Auto gezerrt und umarmt. Aus lauter Freude, dass ich ihm helfen konnte. Oder anders gesagt: aus lauter Freude, dass ich überhaupt noch Ratschläge erteilen kann. Aber ich bin auch empfindlicher als früher. So nehme ich im Coop nicht mehr den erstbesten Einkaufswagen, sondern achte darauf, bei welchem die Entriegelungskette nicht mehr pendelt. Ich will das Gefährt quasi unberührt. Dabei denke ich nicht einmal an den schweissigen, von Bakterien wimmelnden Handlauf, was in meinem Fall durchaus angebracht wäre. Es geht mir ums Prinzip. Ich will kein Wägelchen, dessen Kette pendelt. Nein, so etwas will ich nicht. Das ist zwar ein recht seltsames Verhalten, aber ich stehe dazu. Denn auch darin erkenne ich einen schönen Beweis dafür, dass ich noch empfinde. Dass ich noch lebe.

 

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