Ein Vater gegen Interpol

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Intrigen, Geheimaktionen und eine Bundesrätin: Die unerhörte Geschichte einer Kindsentführung.

Christian Schmidt

Albert «Bert» Bachmann wartete auf den Morgenflug aus München. Pfeife rauchend stand er in der Ankunftshalle des Flughafens Dublin, gekleidet wie ein Lord. Sein Schnauz erinnerte an Inspektor Clouseau. Bis zu seiner wenig schmeichelhaften Frühpensionierung war Bachmann als Spion für das Eidgenössische Militärdepartement in Bern tätig gewesen, nun lebte er in Irland. Eine Kältewelle hatte sich über die Insel gelegt. Es war der 7. Februar 1985. Bachmann wartete auf Gisela O. und ihre beiden Kinder. Er hatte die drei noch nie gesehen, aber man hatte ihn instruiert: Sie seien in Gefahr, er müsse sie in Sicherheit bringen. Giselas Exmann sei alles zuzutrauen, ein brutaler Mensch, ja gar richtig gewalttätig, weshalb auch Interpol nach ihm fahnde, in Frankreich, Italien und den Niederlanden.

In Dublin nahm Albert Bachmann die drei Flüchtenden in Empfang und fuhr mit ihnen Richtung Skibbereen in den Süden. Die Kinder – Andrea 8, Michael 5 – würden etwas Abwechslung in seinen Alltag bringen. Bachmann lebte bereits seit mehreren Jahren in Irland, auf einem Landgut namens Liss Ard Estate. Doch das viktorianische Herrenhaus und seine Nebengebäude, dazu 200 Hektaren Wiesen und Wälder sowie eine Lodge am privaten See, waren für ihn zu gross. Aber Bachmann hatte das stolze Anwesen auch nicht für sich allein gekauft, sondern für die Herren Schlumpf, Stich, Delamuraz, Furgler, Egli, Aubert sowie für Elisabeth Kopp, also für den schweizerischen Bundesrat der achtziger Jahre. Im Falle einer Invasion unseres Landes, Bachmann erwartete sie aus dem Osten, sollte das Gremium in corpore dorthin ausgeflogen werden.

 

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