Goethe in Disneyland

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"Nichts wie weg", sagte sich unsere Autorin 1984 in Weimar - jetzt kehrt sie erstmals zurück.

Sibylle Berg

Das wird eine Geschichte über die Provinz, aus der fast die gesamte Welt besteht, über untergegangene und untergehende Gesellschaftssysteme, über eine Kleinstadt in Thüringen, die ich 1984 verliess und in die ich 2012 zurückkehrte, um zu sehen, wie sie sich verändert hat; eine Geschichte über Weimar, die Stadt in der ich, als es die DDR noch gab, aufwuchs, die ich als Staatsfeindin vor über 20 Jahren verlassen hatte und in die ich nicht zurückkehrte, weil Weimar nicht auf dem Weg lag.
Weimar. Ein Name, bei dem ich an elegante, blauäugige Hunde und an das blaue Ochsenauge, eine Quelle im traumgleichen Park, denke, an Villen wie von irrsinnigen Romantikern gebaut, an regennasses Kopfsteinpflaster. Vor Jahren erschien mir Weimar während des Schlafes – es waren gute Träume.
Der Name der Stadt kommt aus dem Altgermanischen und bedeutet: heiliger Sumpf. Mit dieser Pointe könnte ich die Inszenierung des Stückes: Heimkehr! abbrechen und wieder abreisen, an anderen Kleinstädten vorbei, Stunden, bis es wieder einen Flecken mit über hunderttausend Menschen gibt. Hingegen soll es ja Phobien überwindend wirken, sich seinen Ängsten zu stellen. Wozu, war mir allerdings nie klar, hilft die Angst dem Menschen doch zu überleben. Ich habe überlebt. Ich hatte Angst. Davor, dass immer alles so weitergehen würde. Damals.

 

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