Kampf ums Körbchen

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Physik, Ästhetik und bitte nicht quetschen: Wie man den Busen zum Sporttreiben verpackt, ist eine Wissensschaft.

Esther Göbel

Jenny hat mehr Brüste gesehen als jeder durchschnittliche Mann; grosse, kleine, schlaffe, pralle, flache, echte, künstliche; im Gehen, im Laufen, beim Springen. Sogar auf einem künstlichen Pferd. Brüste sind vielleicht nicht Jennys Lebensinhalt, womöglich wäre diese Behauptung doch etwas übertrieben. Da ist ja auch noch ihr Mann Nick, ein Flugzeug-­Ingenieur, den sie vor dreizehn Jahren beim Hochschulsport kennenlernte. Da sind ihre Eltern, die drei Nichten. Jennys Freudinnen. Aber selbst deren Busen kennt sie. Wenn eine der Freundinnen eine Frage hat zu ihren Brüsten oder sich einen neuen BH kaufen will, meldet sie sich bei wem? Bei Jenny natürlich. Die denkt an Brüste, wenn sie sich mit Nick beim Abendessen über neuste Methoden der Sensorik austauscht oder wenn sie nach getaner Arbeit in ihr Auto steigt oder wenn sie in ihrem Büro sitzt, Raum 2.01, Spinnaker Building, Universität Portsmouth, England. Vor allem denkt Jenny dann über Fragen der Mechanik nach. Über physikalische Kräfte, die wirken. Über Daten, die es zu sammeln gilt. Und über die Frage, wie es sich anstellen lässt, dass Brüste, diese zwei wabernden weiblichen Versprechen, die Männer von jeher verrückt machen, die die Werbung beherrschen, Babys ernähren und Chirurgen reich machen, ja wie es sich anstellen lässt, dass diese zwei Körperteile ihre Trägerin nicht einschränken. Egal ob eine Frau gerade joggt, walkt oder sich beim Yoga verrenkt. Egal wie gross ihre Brüste sind. Deshalb erforscht Jenny Burbage, promovierte Sportwissenschafterin, Schwerpunkt Biomechanik, 33 Jahre alt, 1,58 Meter gross, Spaghetti-glatte Haare und blau-grüne Augen so hell wie das Wasser im Hafen von Portsmouth, seit zehn Jahren: Busen.

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