McSamoa

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Die Bewohner der Pazifik-Insel werden immer dicker. Forscher McGarvey will sie retten.

Anne Backhaus

Hähne, schwarz wie die Nacht, schreien in den Regenwald. Umschlossen von Dunkelheit, um fünf Uhr am Morgen, öffnet Galuega Avau die Augen. Die Matratze, die er sich mit seiner Frau teilt, liegt feucht am Boden neben dem Fenster. Es hat geregnet in der Nacht, über Stunden prasselten die Tropfen auf das Wellblechdach. Galuegas Haus presst sich flach und weiss an den Fuss eines Berges, direkt dahinter streckt seine Plantage sich Hunderte Meter den Hang empor. Auf dem Bett türmt sich die Frau des Bauern wie ein Wal an der Meeresoberfläche. Galuega sieht mager aus neben ihr. Er steht auf, streckt sich, schaut zurück. «Sie ist viel zu fett», sagt Galuega über seine Frau. «Ich hasse sie dafür.» Er lacht dann jeweils, denn er hat sie ja gern. Germaima keucht und zieht sich die Decke über den Kopf. Sie wird einige Stunden später den Tag beginnen, in dem kleinen Verschlag neben der Küche duschen, sich ein Handtuch um ihren schweren Körper und eins um die langen, nassen Haare schlingen. Sie wird ihrem Mann ein Frühstück aus Toast, Eiern und Obstsalat zubereiten, es ihm an den kleinen Tisch vor seinem Lieblingssessel bringen und selber bunte Froot Loops essen, in Blau und Grün und Rot eingefärbte Getreideringe mit Fruchtaroma. Essen aus den USA, in einer grossen Schale mit fast einem halben Liter Milch. Galuega wird sie ansehen, mit den Händen auf seinen Bauch trommeln und sie ermahnen. «Dein Gewicht bringt dich um», wird er sagen. «Aber vorher lasse ich mich scheiden.»

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