Mein Leben als Avatar

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Die virtuelle Realität wird immer echter. Unsere Autorin war dort.

Eva Wolfangel

Noch wirkt alles ganz harmlos. Ein Sonnenstrahl landet direkt vor meinen Füssen, er hat eine weite Reise hinter sich, auch wenn es ihn eigentlich gar nicht gibt. Der Sonnenstrahl hat sich seinen Weg durch dicke Wolken vor dem Fenster gebahnt, er ist gereist auf winzigen Regentropfen aus dem Himmel bis hier zu mir. Warm und weich kitzelt er jetzt meinen Fuss auf dem Parkettboden. Ich schaue mich um: Der Raum ist würfelförmig, an drei Seiten begrenzt durch riesige Glasfronten. Die vierte Wand ist fast in der gesamten Breite ausgefüllt von einem riesigen Display, auf dem ein Film läuft. Einige Männer stehen davor und lachen. 

Wo bin ich? Ich bin in der Zukunft. Und zugleich bin ich im Hier und Jetzt. Ich bin in der Realität. Und zugleich in etwas gänzlich anderem, etwas von der Qualität eines Traumes. Ich bin in der virtuellen Realität. Es heisst, die virtuelle Realität sei unsere Zukunft und dass wir uns in zehn oder zwanzig Jahren hier begegnen werden, statt weite Reisen anzutreten zu unseren Liebsten. Noch sind nur wenige Menschen unterwegs in dieser Welt, die es eigentlich nicht so richtig gibt, die auf mich aber in diesem Moment verdammt echt wirkt.

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Eva Wolfangel unterwegs: