Wargasm 1991

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Bombenstimmung! Wie Militär und Rüstungsindustrie in Washington D.C. den Sieg im zweiten Golfkrieg feierten.

Niklaus Meienberg

«We had a good time», sagt Admiral D.  Katz, der im Golfkrieg den Flugzeugträger «America» befehligte und keine Verluste zu bekla­gen hatte und nun, am Abend des 7. Juni 1991, im grossen Saal des Hotels «Marriott», ein Glas kalifornischen Weissweins zum Mund führend, neben Admiral Laplante steht, welcher neben Admiral Arthur steht, und die Vorteile des schmerzlosen Krieges rühmt; einer von 250 Admiralen der US Navy. Hohe Offiziere aller Waf­fengattungen haben sich hier, zur Einstimmung auf die gewaltigste aller Paraden seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, versammelt, aber auch viele Zivilisten, die den Militärs ihre Bewunderung zol­len möchten. Da ist der Hemdenfabrikant aus Cleveland, welcher sich eine Miniaturausgabe der amerikanischen Flagge als Krawatte um den Hals geschlungen hat und reihum den Vertretern aller Waf­fengattungen seinen Stolz auf Army/Navy/Air-Force kundgibt, eskortiert von seiner Frau, welche auch gerne, wie sie sagt, ein paar Tonnen Bomben auf die irakischen Soldaten hätte fallen las­sen. Eine Army-Band spielt auf. Das Buffet ist reichhaltig. Die Or­donnanzen der hohen Offiziere halten gebührenden Abstand zu ihren Herrschaften, und am eindrücklichsten, sagt die Frau des Hemdenfabrikanten, sind immer noch die Navy-Uniformen, ihr Weiss hat so etwas Unschuldiges.

 

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