Die Bilder: Schlosser Murugas' Damenbinden-Maschine

VON Daniela Schröder

03.08.2015

Exklusiv: Die Reporterin und Reportagen-Autorin Daniela Schröder hat uns zu ihrer Reportage «Ein Mann für die Tage» (#23) ein paar Bilder zur Verfügung gestellt und sie für uns kommentiert.

„Klein ist schön“ und „Ich bin der erste Mann auf der Welt, der eine Damenbinde getragen hat.“ – Wenn Muruga über seine Unternehmerphilosophie erzählt und die Geschichte wie damals alles begann, dann ist er in seinem Element. Wie hier als Gastredner der Karunya-Universität bei Coimbatore. „Bücher verhindern freies Denken“, bei solchen Muruga-Sätzen wachen die indischen Studenten auf, die Professoren finden das wenig lustig.



Bei Steve Jobs war es ein Gründungsmythos, bei Muruga ist es Wirklichkeit: Eine Garagenwerkstatt als Keimzelle des Unternehmens.



Vier Mitarbeiter beschäftigt Muruga in der Produktion. Fällt einer wegen Moskitostich-Fieber aus, sind es nur zwei oder drei. Das Bindenmaschinen-Bauen läuft trotzdem, dauert dann einfach ein bisschen länger.



Der Chef-Büroplatz von Jayaashree Industries. Laptop und Telefon, mehr braucht Muruga nicht zum Unternehmenslenken. Sofern die Internetverbindung funktioniert – in Indien alles andere als selbstverständlich.



Kiosk in Coimbatore, Stadtteil Gandhipuram, 7th Street Extension. Hat alles was man braucht: Mangosaft, Trockenfisch-Snacks, Kautabak, Telefonkarten. Und auch was Frau braucht: Hier gibt es sogar 'Stayfree'-Binden.



'Ladli' heißt die Binden-Marke, die Ex-Schülerinnen der Pardada Pardadi Girls Vocational School in Anupshahr,
Bundesstaat Uttar Pradesh (http://www.education4change.org/homepage.html), herstellten. Jetzt liegt die Produktion brach und die jungen Frauen haben keinen Job mehr, die Marke verkaufte sich nicht.



Murugas Frau Shanti stellt zuhause auf einer Maschine die Binden-Marke 'Touch Free' her und verkauft die Ware in ihrem Dorf. Muruga frisch geduscht vor dem Essen beim Mails-Checken auf dem Smartphone.



In Mahoba Shrinagar, Uttar Pradesh, funktioniert Murugas Idee: Frauen und Mädchen in den Dörfern sind von Lappen, Papier, Gras und ähnlichen Monatshygiene-Methoden auf Binden umgestiegen. 'Subah' heißt die lokale Marke, 'Der Morgen' auf Hindi. 'A new beginning …' verspricht der Werbeslogan. Ein neues Lebens brachte die Bindenproduktion auf Murugas Maschinen auch den 28 Frauen, die in der Mini-Fabrik arbeiten. Ihr Verdienst bedeutet, dass die Familien nun auch Schulgeld für die Töchter haben. Vor zwei Jahren hat die Lokalregierung das Projekt als Teil eines Hygiene-Programms gestartet. 'Subah' verkauft sich so gut, dass die Binden-Firma wachsen soll - Muruga wird bald weitere Maschinen die 3.500 Kilometer-Strecke von Coimbatore im Süden nach Mahoba Shrinagar im Nordosten bringen.