Reportagen zieht um

VON Lucas Hugelshofer

08.10.2019

«Wo geht es hier zu Reportagen?», fragte einst irritiert ein deutscher Journalist – er stand mitten im kleinen Redaktionsbüro. Der Mann hatte sich zuvor tapfer in jene düstere Gasse vis-à-vis dem Bundeshaus gewagt, die den treffenden Namen «Käfiggässchen» trägt: graue, bedrohlich aufragende Wände, Rückseiten von Berner Altstadthäusern mit ihren prächtigen Fassaden. Den versteckten, nicht einladenden Eingang mit dem Schild «Reportagen» hatte der Journalist eher zufällig entdeckt. Am Ende einer langen Treppe fand er in einem Zwischengeschoss eine schmucklose Tür. «Globetrotter» stand da geschrieben. Mehr nicht. Er trat ein und erblickte als Erstes die grossformatigen Landschaftsfotos der Reisefirma. Am Ende des Flures voller Kartonkisten hörte er Stimmen und ein surrendes Kopiergerät in einem kleinen Zimmer mit zwei Schreibtischen: Die Redaktion.

Von den lieb gewonnen Reisebürokollegen müssen wir uns leider verabschieden – ein Investor hat neue Pläne mit dem Gebäude. Doch wir hatten Glück.

Vom Hauptbahnhof Bern aus führt ein von Bäumen gesäumter Boulevard zu einem der Sonne zugewandten Heimatstil-Bau mit geschwungenen Balkonen und einem grünen Vorgärtchen. Ein Schmuckstück. Hier fällt der Blick sofort auf den schönen Haupteingang. Im Parterre, hinter einer Glastür, befindet sich unser neues Zuhause in günstiger Untermiete bei den sympathischen Mitarbeitern von Bildung Bern. Sie überlassen uns zwei lichtdurchflutete Zimmer mit grossen Fenstern. Die neue Anschrift lautet sinngemäss: Monbijoustrasse 36.