Afrika kaufen

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Ein amerikanischer Farmer beschäftigt in Kenya Frauen als Vogelscheuchen. Nur harte Geschäfte bringen Afrika weiter, sagt er.

Gerhard Meister

Abseits der Hauptstrasse kommt statt Asphalt rote, ausgetrocknete Erde unter die Räder, das Auto zieht eine Staubfahne hinter sich her, bei Gegenverkehr, und sei es nur ein Motorrad, schliesse ich schleunigst das Fenster. Manchmal hebt der Wind die Erde hoch und spielt mit ihr, das Wörtlein Staubpiste, das bisher nutzlos in meinem Kopf herumlag, hat einen Sinn bekommen, der in die Lungen dringt. Kilometerlang nur das rote Band der Strasse, links und rechts Gebüsch, vereinzelt Häuser, Lehmhütten mit Dächern aus Schilf und Wellblech, selten etwas aus Backstein Gemauertes, manchmal Kinder, die mir, dem Muzungu im Auto, zuwinken und «How are you» rufen. Dann senkt sich die Landschaft vornüber und gibt den Blick frei auf die riesige Ebene des Yala-Deltas. Dort erstrecken sich über Tausende von Hektaren die Felder von Dominion Farms. Der Reis leuchtet in sattem Grün. So muss Moses aufs Gelobte Land geblickt haben, denke ich, biblisch gestimmt im Gedanken an Calvin Burgess, den Besitzer der Farm, der auf Geheiss Gottes aus Oklahoma nach Kenya gekommen und Farmer geworden ist. Als Sohn eines Zimmermanns hat sich Burgess zum Millionär hochgearbeitet, sein Geld hat er mit dem Bau und Betrieb von Verwaltungsgebäuden gemacht, insbesondere von Gefängnissen. «Ich habe in den USA mehr Gefängnisse gebaut als sonst jemand», wird er mir später im Gespräch bestätigen. Die Farm rückt näher, ich sehe das riesige weisse Kreuz, das mitten im Reis auf einem Hügel steht. Dann sind wir am Eingangstor, durchs Autofenster beugt sich ein Wachmann, auf einem Schild lese ich: NO SMOKING NO ALCOHOL NO DRUGS NO CORRUPTION.

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