Agata Romaniuk im Gespräch

Diese Geschichte steht nur Abonnenten zur VerfügungLock icon

Agata Romaniuk, Autorin von «Erstfrau liebt Zweitfrau», im Gespräch

Esther Göbel

Reportagen: Eine Frage ging mir beim Lesen Ihres Textes nicht mehr aus dem Kopf: Wie um alles in der Welt sind Sie an diese Geschichte gekommen?

Agata Romaniuk: Eine der beiden Frauen, Mauza, ist die Schwester meiner damaligen Nachbarin, ich kannte Mauza aber nicht. Ich lebte vor zehn Jahren für anderthalb Jahre in Oman, weil ich meinen Mann für einen Job dorthin begleitet hatte, bei meinem ersten Kind habe ich auch dort entbunden. Heute leben wir wieder in Polen. Eigentlich wollte ich einfach über das Verhältnis einer Erst- zu einer Zweitfrau schreiben; in Oman ist die Konstellation Erstfrau-Zweitfrau nichts Unübliches. Also fragte ich im Bekanntenkreis herum, ich suchte ein Paar mit einem möglichst grossen Altersunterschied.

 

Sie suchten nicht bewusst nach einer heimlichen lesbischen Beziehung?

Nein, das war nicht meine Idee gewesen. Ich führte sechs bis sieben Interviews mit verschiedenen Paaren, bei denen ein grosser Altersunterschied zwischen Erst- und Zweitfrau bestand. Meine ehemalige Nachbarin erzählte mir irgendwann, dass der Mann ihrer Schwester erst kürzlich eine Zweitfrau geheiratet habe. Also sprach ich auch mit Mauza – und ziemlich schnell dachte ich mir, dass da zwischen den beiden Frauen etwas vor sich gehe. Als Maryam dann schwanger wurde, fragte ich Mauza ganz direkt: «Ist das mehr als eine Freundschaft zwischen euch?» Sie ist eine sehr starke, unabhängige Frau, und so lautete ihre Antwort schlicht: «Ja.» Ab dem Zeitpunkt, zu dem sie sich mir offenbart hatte, floss die Geschichte aus ihr heraus. Wissen Sie, es ist schwer, so ein Geheimnis für sich zu behalten.

Sie möchten weiterlesen?

Wir stehen für herausragende literarische Reportagen. Dafür benötigen wir die Unterstützung unserer Abonnentinnen und Abonnenten. Mit einem Reportagen-Abonnement investieren sie in das Schaffen von Autorinnen und Autoren, die sich für das Kleine Zeit nehmen, um das Grosse zu erfassen.

Mehr aus dieser Serie