Alpglück

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Ein Senn redet sich heiser über das Leben in den Bergen und die Liebe zu seiner Kuh Astrid.

Susanna Schwager

Durch den Nebel hinauf, wo es Enzian, Alpenrosen und auch Edelweisse gibt, heruntergefallene Steine, gross wie Häuser, ein gischtender Bach. Ein Vogel kreist, über die Felsen kommen Helikopter. Am Ende des Wegs eine Hütte, an den Hang geduckt, als möchte sie weghuschen. Bevor man über die Schwelle steigt, wartet man, wird beschnuppert. Ein Geruch nach Frau, nach Quark und Feuer, weisse Tücher hängen an Leinen im Raum. Hinter riesigen Gummistiefeln eine Stiege, hinauf zum kleinen Balkon. Rundherum Felsen in allen Tönen. Man schweigt hier gerne zusammen. Hinauf, hinunter, hinüber.

Der Sommer fängt bei uns um den 10. Juni an, nid, dann geht man hinauf. Aufs Wetter kommt es nicht in erster Linie an, sondern aufs Gras. Ob das Gras gewachsen ist. Sobald der Schnee schmilzt, geht man eppa chli uehi. – Die Hütte parat machen, putzen. Im Winter wird alls staubig und dreckig. Alls voll Vogelscheissdreck, exgüse. Spinnennetze und alls Mögliche, was sich da im Winter ansammelt. Überall sind Nester. Im Stall Stroh einstreuen. Das bringt der Lastwagen in die Nähe, und dann holt man es hier hinauf. Vom Tal gehen wir zuerst ins untere Läger, das ist dort unten beim Strässchen, am Waldrand. Und wenn alls genug gewachsen ist, ziehen wir ins obere, da ist das bessere Gras. Und gegen Ende Sommer hierher zurück, ins untere. Und dann wieder hinunter ins Tal. Schon immer machen wir das, immer so, rundherum. Jedes Jahr.

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