Aus dem Notizbuch

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Von einer Reportage über subatomare Physik zur Entwicklungshilfe auf einem ukrainischen Bauernhof.

Urs Mannhart

Während ich für eine Reportage über subatomare Physik im Süden Russlands weile, schreibt mir eine Freundin, sie habe sich in Frankreich auf einem Longo-maï-Bauernhof gemeldet. Als einer, der selber teilzeitlich als Landwirt arbeitet, besuche ich die Website dieser aus der 68er-Bewegung entstandenen landwirtschaftlichen Gruppierung – und lese von einem kooperativ geführten Hof in der Ukraine, eingebettet in die Karpaten, an denen ich auf meiner Rückreise in die Schweiz ohnehin vorbeifahren werde.

Da mich die Physiker quasi in Lichtgeschwindigkeit mit Informationen versorgen, komme ich mit meiner Reportage schneller voran als gedacht – ein kleiner Umweg über die Karpaten passt gut ins Zeitbudget. Meine an den Longo-maï-Hof adressierte Mail wird freundlich beantwortet; ich freue mich, die ukrainische Landwirtschaft kennenzulernen. Die Zugreise dorthin ist dann aber doch arg umständlich; vier Tage lang habe ich Zeit, Zweifel zu kultivieren: Was soll ich eigentlich bei diesen landwirtenden Alt-Hippies? Werden die nicht ohnehin überrannt von Gästen? Werde ich dort schief angeschaut, wenn ich nicht weiss, wie man getrocknete Kräuter in Zigarettenpapier wickelt? Ich denke, ich werde mir den Hof zeigen lassen, eine Tasse Tee trinken und mit dem nächsten Zug wieder abreisen.

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