Ausbeutung in der Oper

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Prekär bis zum hohen C: Der harte Alltag hinterm Vorhang.

Corinne Holtz

Warten. An diesem Sonntag im Juni 2018 auf den Treppenstufen zum Konzertsaal in einer Klaviergalerie in Wien. Und dann eine Spitzenleistung bringen: heute den grenzensprengenden Monolog aus Elektra, der modernsten Oper von Richard Strauss. Ihre Traumrolle.

Die Zeit vor einem Auftritt ist kostbar, Mona nutzt sie zum Einsingen. In einem der Übungszimmer mit schallschluckenden Elementen an den Wänden. «Das Schlechteste, was man haben kann, ist eine trockene Akustik, das heisst reflexionsarm. Der Ton fällt direkt vor die Füsse. Man gibt viel zu viel, um sich zu spüren.» Egal, sie richtet die Aufmerksamkeit auf sich selber. Die Füsse bar, heraus aus den Alltagskleidern, «suche ich nach meiner Stimme». Singen ist Arbeit mit sich selbst, mit dem eigenen Körper. Zu viel Luft ist im Bauch, Mona knetet Darm und Magen. Die nächste Dreiklangskette folgt, der Tonraum wird grösser, jetzt geht es in die Höhe.

Etwa vierzig Sänger und Sängerinnen sind angereist, um sich an diesem Sonntagmorgen zeigen zu können. Drängen zu den beiden Empfangsdamen, bahnen sich den Weg durch die ausgestellten Klaviere und Flügel nach vorne. «Wir beginnen etwas später. Die zwanzig Euro geben Sie bitte dem Herrn Doktor Hollaender persönlich. Nein, Frau Professor Hollaender wird heute nicht teilnehmen.»

Die Elektra war der Karrieresprung in Monas Sängerinnenleben. Ein Höhepunkt im Jahr 2009, der viel versprach. Sie war vierzig Jahre alt, ihre Stimme war reif.

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