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Darf man ein Buch grossartig finden, das die Fäulnis im Journalismus beklagt, aber dafür von den Falschen beklatscht wird?

Vito Avantario

Gibt es ein einziges Privileg, das der Migrant für sich in Anspruch nehmen kann, besteht es darin, in der Mehrheitsgesellschaft angekommen, den kühlen Blick des Fremden auf die neue Realität zu bewahren.

Neulich habe ich das Buch des DDR-Einwanderers und Journalisten Birk Meinhardt in die Hände bekommen, ich habe es in wenigen Stunden durchgelesen, das passiert mir selten. Meine Eltern sind in den 50er Jahren aus Italien nach Deutschland emigriert. Wie Meinhardt bin auch ich Journalist. Als ich 1985 mein Volontariat begann, lag die Quote von Einwanderern in deutschen Medien bei fast null. Man bescheinigte mir eine grossartige «Anpassungsleistung» – so wie Meinhardt später, als würde man von einem Einwanderer reden, der es in der Gesellschaft, die ihn aufnimmt, zu Ehre gebracht hat.

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