Autor im Gespräch #24

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Niclas Seydack im Gespräch mit Claude Fankhauser.

Niclas Seydack

Reportagen: Herr Seydack, sind Sie selbst ein leidenschaftlicher Brater, beziehungsweise Grillierer, wie wir in der Schweiz sagen?

Niclas Seydack: Ein schön gebratenes Fleisch mag ich schon gerne, doch. Ich komme ja eigentlich aus Norddeutschland, und da ist das mit dem Grillen gar nicht so ein Riesending. Wir haben da zwar auch unsere Rituale, wir holen uns aber eher aus der Nordsee einen Eimer Krabben und pulen die dann gemeinsam. Grillen war bei uns eher etwas, was man in der Pubertät gemacht  hat, als man ohne Eltern mit den Kumpels im Park rumhing.

 

Was würden Sie denn im Zweifelsfall bevor­zugen, Nordsee-Krabben oder eine Thüringer Rostbratwurst?

Oh, da würde ich mittlerweile tatsächlich die Thüringer nehmen! Ich bin von meinen Eltern immer genötigt worden, Fisch und Meeresgetier zu essen, dabei mag ich das eigentlich überhaupt nicht.

 

Sie haben das Pech, von einem Vegetarier zu Würsten interviewt zu werden und – ich muss das einfach fragen: Wie schmeckt eine original Thüringer Rostbratwurst denn? Einfach wie eine – die Thüringer mögen mir verzeihen – stinknormale Bratwurst oder irgendwie anders?

Wenn man die im Supermarkt kauft, dann ist das Massenware, die schmecken alle gleich und sind von normalen Bratwürsten nicht unterscheidbar. Wenn man aber zu den kleinen Fleischern geht, dann haben die tatsächlich alle noch ihre über Generationen vererbten Familienrezepte, mit eigenen Würz- und Fleischmischungen. Aber ehrlich gesagt, glaube ich, der Kult um die Wurst hat weniger mit dem Geschmack zu tun als vielmehr mit diesem rituellen Zusammensein. Weil, ein Hochgenuss ist es glaub echt nicht. Eine Thüringer isst man mehr so, wie man ein Bier zusammen trinkt. Das Gemeinsame, das Verbindende ist viel entscheidender als der kulinarische Höhepunkt.

 

 

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