Autorin im Gespräch #18

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Daniela Schröder über ihre Reportage «Tochter zu verkaufen»

Daniela Schröder

Reportagen: Frau Schröder, Sie haben sich in eine von Männern dominierte Welt gewagt. Wie wurde es von Ihren Gesprächspartnern aufgenommen, dass sie ausgerechnet von einer Frau zu solch heiklen Themen befragt wurden?
Daniela Schröder: Eigentlich war es eher ein Vorteil. Ich hatte auch diese Befürchtung, warum die gerade mit mir reden sollten, immerhin sprach ich eines der grössten Tabuthemen an. Aber als europäische Frau hat man in einem Land, das für ein arabisches verhältnismässig liberal eingestellt ist, recht viel Bonus. Klar, es gab verschiedene Gesprächspartner, die verschiedene Reaktionen gezeigt haben. Die Offenheit, die mir meist entgegengebracht wurde, habe ich überhaupt nicht erwartet, und es lief rückblickend doch erstaunlich gut. 

Wie kamen Sie eigentlich genau auf das Thema?
Meine ursprüngliche Idee war es, eine Geschichte über die Situation der Frauen und Mädchen zu schreiben. Ihr Chefredaktor meinte, die klassische Opfergeschichte sei schon zu oft erzählt worden. Wir haben dann einen neuen Ansatz entwickelt, in dem wir die Geschichte aus einer anderen Perspektive erzählen wollten: aus derjenigen der Männer. Was sind ihre Gründe, ihr Selbstverständnis? Es war für mich auch ein Experiment.

Ein gelungenes?
Die Fragen, die sich mir gestellt haben, sind nur teilweise beantwortet worden. Einerseits gibt es Figuren wie der Hostelbesitzer Ali, wo die Motivation klar ist: Er ist Geschäftsmann, Frauen sind Waren, er argumentiert mit dem Marktmechanismus. Auch bei Männern aus den Golfstaaten, die junge Mädchen heiraten, ist die Motivation klar. Doch – wie kann ein Vater bloss seine Tochter an einen Fremden verkaufen? Wie kann da plötzlich dieser Wirtschaftsansatz greifen? Diese Fragen bleiben weiterhin offen, aber ich finde das auch legitim. Eine runde Geschichte muss nicht immer alle Fragen beantworten.

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