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Die Ukraine ersetzt korrupte Polizisten durch Amateure. Echte Reform oder Imagekampagne?

Claas Relotius

Hinweis

Die Berichterstattung von Claas Relotius steht nach SPIEGEL-Recherchen im Dezember 2018 unter dem Verdacht weitgehender Fälschungen und Manipulationen durch den Autor. Betroffen ist in Teilen auch diese Reportage, die Relotius für unser Magazin verfasst hat. Hier der Stand unserer Nachrecherchen (Januar 2019):

Für diese Reportage begleitete Relotius angeblich zwei Mitglieder der ukrainischen Anti-Korruptions-Polizei bei der Arbeit. Der Spiegel hat Reportagen die Hinweise eines ukrainischen Journalisten weitergeleitet.

SZENERIE:

Der Text weist Ungenauigkeiten und fehlerhafte Beschreibungen auf. Bei den Demonstrationen in Kiew rollten keine Armeepanzer auf den Maidan-Platz. Zudem steht im Text, die Anti-Korruptions-Polizei sei auch in Donezk aktiv. Zum damaligen Zeitpunkt war die Stadt aber von Separatisten eingenommen. Es existieren keine Belege, dass ein Mann mit einem Kind auf dem Arm erschossen wurde. Auf dem Maidan in Kiew stehen zudem keine alten Brunnen.


Bevor die Nacht anbricht und ihr Dienst beginnt, an einem eisigen Frühjahrsabend in Kiew, kniet die Hoffnung der Ukraine vor brennenden Kerzen auf dem Maidan. Dimitri, ein junger Mann mit Vollbart und Gewichtheberschultern, und Valerya, eine junge Frau mit geflochtenen Haaren und Perlenohrringen, wie treue Kameraden sehen sie auf zu einem Altar für die Gefallenen, beten für deren Seelen und die Zukunft ihres Landes. Es ist ein Ritual wie vor einer Schlacht, sie bekreuzigen sich, schieben Schlagstock und Pistole unter ihre Jacken, dann skandieren sie den Kampfruf der Revolution: «Ruhm der Ukraine! Ruhm den Helden!»

Nacht um Nacht zieht es sie hierher, auf den Platz der Unabhängigkeit, wo vor zwei Jahren, auf denselben Pflastersteinen, die Gewalt losbrach. Dimitri und Valerya waren dabei, Schulter an Schulter demonstrierten sie mit denen, die bald danach getötet wurden. Sie sehen noch immer alles vor sich, Szenen wie im Krieg, brennende Häuser und blutüberströmte Gesichter, Bilder, die um die Welt gingen. Die Schreie ihrer Freunde und den Geruch der Leichen, nichts haben sie vergessen. Hier der alte Brunnen, an dem ein Vater mit Kind auf dem Arm erschossen wurde. Dort die zerstörte Mauer, vor der Dutzende zu Boden sanken, von Scharfschützen ermordet, von Armeepanzern überrollt.

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