BIG BANG 1986

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Die historische Reportage aus der City of London.

Michael Lewis

Es ist sechs Uhr morgens: Zeit, sich für die Arbeit fertig zu machen. Dieser Tag im August 1986 ist etwas Besonderes. Zum ersten Mal bin ich im Begriff, mit den hinterhältigen Angriffen und Intrigen konfrontiert zu werden, für die die Investmentbanker zu Recht bekannt sind. Es gibt bei Salomon Brothers zwei Arten von Reibereien. Die erste wird dadurch erzeugt, dass Menschen, wenn es um Geldverluste geht, darum kämpfen, jeweils irgendjemand anderem die Schuld zuzuschieben. Bei der zweiten kämpfen Menschen darum, den Verdienst zugesprochen zu bekommen, wenn Geld verdient wurde. Meine erste Schlacht im Händlersaal wird durch Gewinne und nicht durch Verluste entfesselt; das ist gut. Es gibt im Investment Banking keine Urheberschutz-Gesetze und keine Möglichkeit, eine gute Idee zu patentieren. Der Stolz auf die Gewinne ist wichtiger als der Stolz auf die Urheberschaft. Wenn Salomon Brothers ein neues Finanzinstrument erfindet, dann haben innerhalb von 24 Stunden Morgan Stanley, Goldman Sachs und der Rest herausgefunden, was dahintersteht, und versuchen, etwas Ähnliches zu machen. Dies gehört, so habe ich inzwischen begriffen, zu den Spielregeln. Ich erinnere mich daran, dass einer der ersten Investmentbanker, die ich traf, mir einen wichtigen Ratschlag gab: Gott gab dir Augen, also schau zu, was andere tun, und mach’s ihnen nach. Ein hübsches Motto, wenn man mit anderen Firmen konkurriert. Was ich jedoch noch nicht begriffen hatte, war, dass diese Zeilen auch für den Konkurrenzkampf innerhalb von Salomon Brothers galten.

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