Bistro Infernal

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In «Bistro Infernal», unserer historischen Reportage, schildert Orwell die Zustände, unter denen er in Paris als Tellerwäscher gearbeitet hat.

George Orwell

Der Patron hatte mich als Plongeur in der Küche angestellt; das heisst, meine Aufgabe bestand darin, abzuwaschen, die Küche sauberzuhalten, das Gemüse fertigzumachen, Tee, Kaffee und Sandwiches zuzubereiten, das einfachere Kochen zu übernehmen und Botengänge zu erledigen. Die Bedingungen waren, wie gewöhnlich, fünfhundert Francs pro Monat plus Verpflegung, aber ich hatte keinen freien Tag und keine feste Arbeitszeit. Im Hotel X. hatte ich den besten Verpflegungsbetrieb kennengelernt, mit unbegrenztem Geld und guter Organisation. Jetzt, hier in der Auberge, lernte ich kennen, wie man die Dinge in einem absolut schlechten Restaurant betrieb. Es lohnt, das zu beschreiben, denn von dieser Art Restaurant gibt es Hunderte in Paris, und jeder Besucher wird irgendwann einmal in einem essen. 
Ich sollte noch erwähnen, dass die Auberge nicht das gewöhnliche billige Speiselokal war, das von Studenten und Arbeitern frequentiert wurde. Wir servierten kein angemessenes Gedeck unter fünfundzwanzig Francs, und wir waren attraktiv anzusehen und künstlerisch ausgestattet, was unser soziales Niveau durchaus anhob. Da waren diese unappetitlichen Bilder an der Bar, die normannischen Verzierungen – falsche Balken an den Wänden, elektrische Lampen als Kerzen verkleidet – und der Patron und der Oberkellner waren russische Offiziere, und viele der Kunden waren als russische Flüchtlinge bekannt. Kurzum: Ganz ohne Frage – wir waren ‹chic›.

 

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