Briefe aus Aleppo

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Ein Berliner Fotograf fährt aus Neugierde nach Syrien in den Bürgerkrieg. Fünf Tage im Chaos.

Boris Niehaus

16. Dezember 2012 

Hi René, ich schreibe dir aus dem Büro des AMC (Aleppo Media Center), einem alten und jetzt besetzten Science-Center. Unser Zimmer ist im zweiten Obergeschoss, aber nur hier unten gibt es Strom, von dem Generator, der im Hof vor sich hin brummt. Vor Monaten schon wurde Teilen der Stadt der Strom abgestellt, und auch fliessendes Wasser gibt es keins mehr. In dem Büro nebenan wird laut auf Arabisch gesprochen, und ab und an rauscht der Sicherheitsposten oben von der Strasse laut durchs Walkie-Talkie. Das Internet schwankt, nebenan werden gerade die Clips von heute auf Youtube geladen.

Hier angekommen sind wir (der Fotograf Thomas Rassloff «Rossi» und ich) vor ein paar Stunden. Gestern waren wir noch in Kilis in der Türkei, wo wir in einem runtergekommenen Hotel übernachtet haben und von wo wir heute Morgen mit einem Taxi an die syrische Grenze gefahren sind.

Seitdem ich mich dazu entschieden habe, nach Aleppo zu fahren, habe ich ein mulmiges Gefühl – irgendetwas zwischen Spannung und Angst. Meine Erwartungen an diese Reise waren diffus. Ein Mix aus Bildern, die ich aus den Nachrichten kenne, Geschichten von in Deutschland lebenden syrischen Freunden, die den Geheimdienst fürchten und von unterirdischen Foltergefängnissen erzählen. Dazu Infos aus alten Reiseführern, die eine tourifreundliche Stadt versprechen. Ich bin Fotograf, und den Wunsch, einmal in eine Krisenregion zu fahren, habe ich schon seit Jahren. Dass es gerade jetzt Syrien geworden ist, war eine Verkettung von Zufällen.

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