D. T. Max im Gespräch

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Im Gespräch mit D. T. Max, Biograf von David Foster Wallace.

Esther Göbel

Reportagen: Die erste Frage ist natürlich die nach dem Warum: David Foster Wallace (DFW) war ein sehr komplexer Charakter und Autor; Sie hätten sich ja auch jemand Einfacheren aussuchen können für eine Biografie. Wieso wählten Sie ihn?

Daniel Max: Ich hatte nie geplant, eine solche zu schreiben. Ganz ehrlich: Die meisten Biografien finde ich zu steif und zu lang! Mein Ziel war mehr eine Art Memoiren – aber geschrieben von einer Person, die eben die ganzen Erinnerungen nicht selber in sich trägt. Wenn man es so ausspricht, hört es sich unmöglich an. DFW war aber ein super Kandidat für mein Vorhaben; wir waren gleich alt, wir wurden durch dieselben Bücher geprägt, er war wie ich ein Zweifler, ein Zyniker. Aber er fühlte die Emotionen einer ganzen Generation in einer extrem intensiven Weise. Plus: Sein Leben war ein einziges Drama. Dazu schrieb er gegenteilig zu meinem Stil: Ich schreibe kurz. Er brachte diese wunderbaren nebensatzreichen Wortströme zu Papier, die trotz grammatikalischer Schwere Leichtigkeit besassen.

Waren Sie eher von seiner aussergewöhnlichen Schreibe fasziniert oder von der erwähnten Komplexität seiner Person?

Von beidem. Es ist jetzt sechs Jahre her, dass ich meine Biografie über ihn schrieb. Aber ich muss immer noch an ihn denken. Ein paar Dinge sind an mir kleben geblieben, bestimmte Sätze. Zum Beispiel diese Passage in Unendlicher Spass, in der die Krankenschwester mit den «angekauten Nägeln» den Protagonisten fragt: «So, und was ist nun Ihre Geschichte?» Ist nicht genau das die Schlüsselfrage allen fiktionalen Schreibens? Ganz toll ist auch, wie er in seiner Geschichte Consider the Lobster das Touristendasein als «wirtschaftlich bedeutsam, aber existenziell verabscheuungswürdig» auf den Punkt bringt. (Ich, ehm, bin gerade auf dem Weg in die Ferien.)

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