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Wie schützt man einen Strand in Brasilien? Mit Notizen über Steine.

Fabian Federl

Am Strand von Maricá zieht die Ebbe das Meer langsam in die Ferne, die Wellen brechen flach und leise. Kurz über dem Horizont steht die Sonne, an der brasilianischen Atlantikküste ist es schon morgens um 8 Uhr 30 Grad heiss. Rund 50 Felsen liegen im niedrigen Wasser, einige gross wie Kleinwagen, andere von der Grösse einer Cornflakespackung, dazwischen Hunderte mürbe, ausgebrochene Krümel. Übliche Sandsteinklumpen, sogenannte Beachrocks, nichts Besonderes, grau in verschiedenen Facetten. Renato Ramos und Katia Mansur, zwei Mittfünfziger, sind wegen dieser Steine hier. Mit leuchtenden Augen laufen sie durch das Watt, schiessen Fotos voneinander, von den Steinen, vom Strand. Ramos, in kurzer Hose und Flip-Flops, springt von einem Beach­rock zum nächsten, sammelt Proben, steckt sie in die Hosentaschen. Mansur, von Kopf bis Fuss in Funktionskleidung, kniet sich in den nassen Sand, fährt mit der Handfläche die einzelnen Schichten der Steine entlang. Ihre Finger berühren Wellhornschnecken, Ohren-­Archen­muscheln, Purpurschnecken, mehrere Spezies Napfschnecken, Venusmuscheln, Froschschnecken. Dazwischen Quarz, Basalt, Dolomit, umschlossen von gröberem und feinerem Sand. Man könne an der Körnigkeit den früheren Meeresspiegel ablesen, sagt Mansur, die Stärke der Wellen und des Sogs. Einige Steine seien gerade mal einige Jahrzehnte alt, andere bis zu 40 000 Jahre, in jedem Fall aber deutlich jünger als der Jahrmillion alte Granit der Umgebung.

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