Das Geheimnis der Qualle

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Die Turritopsis-Qualle stirbt nicht. Ein japanischer Forscher ist dem Rätsel auf der Spur. Winkt uns bald ewiges Leben?

Nathaniel Rich

Über 4000 Jahre nachdem mehr oder weniger am Anfang unserer dokumentierten Geschichte Utnapischtim zu Gilgamesch gesagt hatte, dass das Geheimnis der Unsterblichkeit in einer Koralle auf dem Meeresboden liege, entdeckte der Mensch im Jahr 1988 endlich das ewige Leben. Und tatsächlich fand er es auf dem Meeresboden. Die Entdeckung erfolgte zufällig durch Christian Sommer, einen knapp 20-jährigen deutschen Studenten der Meeresbiologie. Er verbrachte den Sommer in Rapallo, einem Städtchen an der italienischen Riviera, wo Friedrich Nietzsche genau ein Jahrhundert zuvor die Idee zu «Also sprach Zarathustra» gekommen war. «Alles geht, alles kommt zurück; ewig rollt das Rad des Seins. Alles stirbt, alles blüht wieder auf.»
Sommer untersuchte Hydrozoen, kleine Wirbellose, die je nachdem, wo sie in ihrem Lebenszyklus standen, entweder einer Qualle oder einer Weichkoralle glichen. Jeden Morgen schnorchelte Sommer im türkisfarbenen Wasser vor den Klippen von Portofino. Er suchte den Meeresboden nach Hydrozoen ab und sammelte sie mit Plankton-Netzen ein. Unter den Hunderten von Organismen, die er gefunden hatte, war eine winzige, ziemlich obskure Art, die den Biologen als Turritopsis dohrnii bekannt war. Heute ist sie besser bekannt als unsterbliche Qualle.

 

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