Die Party deines Lebens

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In Ghana sind Beerdigungen rauschende Feste - und ein Business, das boomt.

Daniela Schröder

Dreieinhalb Stunden bei U Baby Beauty gesessen, eine Stunde Glätten, zwei Stunden Flechten, halbe Stunde Auftürmen. Und nun löst sich eine Strähne? Evelyn verdreht die Augen, das Weisse darin leuchtet in der Dämmerung. «Ich werd wahnsinnig! Ich dreh dieser Friseurschlampe den Hals um!», ruft sie und durchwühlt ihre Handtasche, irgendwo müssen Haarnadeln sein. Evelyn schüttelt den Kopf, seufzt, eine zweite Strähne fällt ihr ins Gesicht. Sie hält sich eine Hand vor die Augen, schnieft. «So kann ich nicht vor ihn treten», flüstert sie. «Was sollen die Leute von mir denken?»

Evelyn schnieft und wühlt weiter, findet die Haarnadeln, stellt sich neben ein parkendes Auto, steckt vor dem Seitenspiegel die Strähnen fest, legt Lippenstift nach. Der Himmel wechselt von Tintenblau zu Schwarz mit Sternen, früher Abend in La, einem Vorort von Ghanas Hauptstadt Accra. La, das ist ein Marktplatz voll hupender Fahrzeuge, schreiender Händler, Bergen bunter Früchte und toter Tiere, drumherum ein dunkles Labyrinth aus engen Gassen, niedrigen Hütten, winzigen Läden. Männer stehen vor Grillbananenständen, Mütter waschen Kinder in Plastikschüsseln, Telefone leuchten. Irgendwo läuft laute Reggae-Musik, Evelyn biegt um eine Ecke, um die nächste, um noch eine, der Reggae wird lauter, sie stöckelt über schiefe Stufen und durch tiefe Pfützen. Wenn sie ihr Handy checkt, funkeln die Strasssteinchen-Kreuze in ihren Ohren.

Der Reggae kommt aus einem Hinterhof, aus zwei hohen Lautsprechern, davor tanzen Dutzende Menschen. «Da sind wir, es kann losgehen!», ruft Evelyn und lacht, dann taucht sie ein in die Masse. «We refuse to be what you wanted us to be, we are what we are, that’s the way it’s gonna be!» Die Musik dröhnt im Kopf, der Bass bohrt sich in den Magen, die Leute schnipsen, pfeifen, klatschen. «Yeah, you don’t know!» Die Männer tanzen dicht an den Frauen, die Frauen kreisen die Hüften, schwingen die Arme über dem Kopf. Die Luft steht, die Männer tragen schwarze Hemden, die Frauen schwarze Kleider, es riecht nach vielen Sorten Parfum und Arten von Schweiss, der Hinterhof vibriert wie ein Club.

Kinder verteilen kleine Trinkbeutel mit Wasser, zwei Männer stehen hinter einem Tisch mit Softdrink-Dosen. «We refuse to be what you wanted us to be, we are what we are!», singt ein Tänzer. «Yeah, you don’t know!» Babylon System von Bob Marley, das dritte Mal in Folge. Manche schliessen die Augen, drehen sich wie in Trance. «Samuel Asamani! Unser Freund Sam! DJ Sam!», ruft eine Frau, die Musik wird noch lauter.

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