Die Queen trägt Dynamit

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Vor Tansania wird mit Sprengstoff gefischt. Wer ist die mysteriöse Lieferantin?

Julia Amberger

Am Abend, bevor sich alles entscheidet, fährt JD noch einmal zur Zentrale der Task-Force – einem zweistöckigen Neubau in der Metropole Dar es Salaam, Tansania, direkt am Meer. Die Sohlen seiner Flipflops klatschen auf dem Beton, als er die Treppe hinaufsteigt. Im kahlen Büro der Task-Force ist es stockdunkel. Die bodenlangen, goldfarbenen Vorhänge sind bereits zugezogen. In der Mitte stehen zwei Plastiktische mit jeweils einem Loch, das eigentlich für einen Sonnenschirm gedacht ist. Die Klimaanlage in der Ecke funktioniert nicht. Zum Schweiss­abtrocknen liegt ein Handtuch auf dem Tisch.

JD wirkt müde, aber seine Augen funkeln. Er greift nach dem Tuch und wischt sich über sein schütteres Haar und die Stirn mit den tiefen Falten. Er ist 56 Jahre alt, ein grauer Vollbart umwuchert seinen Mund. JD hat die Task-Force für Umweltverbrechen, das «Multi-Agency Task Team», kurz: MATT, in den letzten Jahren aufgebaut. Jetzt steht der grösste und gefährlichste Einsatz kurz bevor. Danach ist seine Berater­mission beendet. Den ganzen Tag lang hat er mit seinem 8-köpfigen Team hier den Zugriff geplant. Über Plan B und C gebrütet – falls der Dealer den Undercover-Agenten enttarnt. Falls er ihn verschleppt. JD wühlt fahrig in den Taschen seiner Bermuda-Shorts, steckt sich eine Embassy King an und starrt ins Leere.

Johannes Dirk «JD» Kotze, Polizist in Rente, ist einer der weltweit gefragtesten Kenner internationaler Fischkriminalitäts-Netzwerke. Die EU hat ihn als Berater engagiert, um das Fischen mit Bomben in Tansania zu beenden. Er könnte jetzt auch mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen zu Hause in Kapstadt auf dem Sofa liegen und DVD schauen. Aber er will nicht, er kann nicht aufhören. Jahrelang kommandierte er die Elitetruppe «Scorpions» im Westen von Kapstadt, bevor er auf kriminelle Fischereiunternehmer angesetzt wurde. Drogendealer, Vergewaltiger, Mörder – das ist seine Welt. «Ich hasse Kriminelle», sagt er. «Und ich liebe es, sie einzig und allein mit meinem Grips zu besiegen und ins Gefängnis zu stecken.» Jetzt steht er vor einer neuen Herausforderung: Gelingt es ihm und der Task-Force morgen, die Sprengstoffschmuggler und -dealer festzunehmen und den Dynamitfischern so den Nachschub zu blockieren?

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