Die Sklavin 1837

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George Floyds Tod hat begonnen, lange bevor er getötet wurde. Wie in der Vergangenheit Rassismus zum Alltag gehörte.

Hermann Fürst von Pückler-Muskau

Am 21. Februar verliess ich, begleitet vom Herrn Doktor Koch, Generalstabsarzt der ägyptischen Flotte, die Hauptstadt Kahira [Kairo]. Mein kleines Gefolge bestand ausser aus dem genannten Herrn Doktor mit seinem Diener, meinem Dragoman [Dolmetscher und Reiseführer] Giovanni, meinem Kammerdiener Ackermann, einem griechischen Pagen aus Kandia mit Namen Jannis, einem arabischen, in Kahira einigermassen französierten Koch, und – um die Langeweile einer so weiten Wasserreise etwas weniger monoton zu machen – einer abessinischen Sklavin, die ich erst wenig Tage vorher für eine ziemlich ansehnliche Summe erkauft hatte.

Bei dieser Gelegenheit hatte ich den schwarzen Sklavenmarkt besucht, der allerdings, so milde die Sklaven auch in der Regel hier behandelt werden, dem Europäer ganz andere Gefühle als dem Orientalen einflösst. Es ist niederschlagend, dass demungeachtet die allgemeine Stimme der Europäer selbst sich in der Behauptung vereinigt, dass die Sklaven von diesen härter wie von den Muselmännern behandelt werden. Kann man sich überwinden, das Tragische, was in dem ganzen System liegt, einmal beiseite zu setzen, und was hülfe es auch, darüber als etwas hier vorderhand noch Unvermeidliches unnütz zu jammern, so muss man ohne Affektation gestehen, dass dieser Sklavenmarkt neben der menschlichen Herabwürdigung (der man aber in goldenen Sälen, unter Sternen und Orden, oft noch widriger begegnet, weil sie da  freiwillig ist) auch viel Komisches darbietet.

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