Ehefrau für eine Stunde

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Prostitution gibt es in Iran offiziell nicht. Die Nachfrage danach schon.

Amir Hassan Cheheltan

An jenem Tag war meine Frau gerade zum Mittagessen zurückgekehrt; sie hatte die Angewohnheit, sobald sie nach Hause kam und noch während sie sich umzog, mir die aufregenden Ereignisse des Tages mit lauter Stimme zu verkünden, besonders dann aber, wenn einer unserer Freunde oder Bekannten mit Zahnschmerzen ihre Praxis aufgesucht hatte: Weisst du, wer heute da war? Es fing immer so an. In der Regel wartete sie die Antwort erst gar nicht ab, aber dieses Mal läutete es, bevor sie mit ihrer Rede fortfahren konnte. Offensichtlich war es einer der Nachbarn. «Ich öffne», rief sie.

Ich erkannte die Stimme. Es war Frau Parsa, die Frau vom Stockwerk über uns. Nachdem sie gelacht und sich nach dem Wohlbefinden des anderen erkundigt hatten, dämpften sie ihre Stimmen plötzlich. Natürlich wurde ich neugierig, und selbstverständlich verliess ich mein Zimmer nicht; aus den geflüsterten Gesprächsfetzen bekam ich gerade noch mit, dass es sich um den nachbarlichen Junggesellen handelte, der im kleinen Appartement in der Ecke des Parkhauses lebte. Schliesslich bekam ich aus ihrem Geflüster noch mit, dass meine Frau Mitarbeiterinnen für die Überwachung ihres Individuums ausgesucht hatte. Sie hatte mir vor einiger Zeit schon mitgeteilt: «‹Dieser Herr› ist mir verdächtig.»

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