Entwicklungs-Business

Diese Geschichte steht nur Abonnenten zur VerfügungLock icon

Ein Ökonom plant Afrika zu retten und dabei reich zu werden. Vor Ort geraten die Pläne durcheinander.

Hannes Grassegger

Kreidebleich ist der junge deutsche Ökonomieprofessor in dieser dunklen Tropennacht in Schwarzafrika. Schweiss steht ihm auf der Stirn. Die drei Männer waren völlig überraschend gekommen, hatten zweieinhalb Kilo Gold ausgepackt und erwartet, dass der Weisse jetzt kaufen würde. Es war von Hand geschürftes Gold, irgendwo im Norden von Côte d'Ivoire in gerodetem Dschungelland hervorgekratzt aus diesen Lehmlöchern, in denen bei fast jedem Regenfall Menschen sterben. Das Gold war geklaut oder von den Goldschürfern an den Minenbesitzern vorbeigeschmuggelt worden. Für alle sauberen Abbauweisen war es viel zu billig. Vor kurzem hatte man dem Deutschen das Gold angeboten. Ehrmann, der sich durch den verblüffend geringen Preis eine satte Marge beim Weiterverkauf erhoffte, hatte generell Interesse bekundet. Man missverstand das. Drei Männer mieteten ein Auto und brachen auf. Am frühen Abend hatte Ehrmann einen Anruf empfangen: Voilà, man sei hier mit der Ware. Der verblüffte Ehrmann lud in seiner Not die drei unbekannten Goldverkäufer zu sich ins Haus. Er wollte ja kaufen, konnte aber nicht. Alle vier sassen eine Weile unschlüssig in der kleinen Sitzgruppe auf Ehrmanns Veranda. Nachts ist es während der Regenzeit in Abidjan rund dreissig Grad, stark bewölkt und sehr feucht. 
Die Stimmung wurde immer angespannter. Dann forderten seine Besucher 250 000 CFA-Francs, rund 500 Franken für ihre Reisekosten. 

Sie möchten weiterlesen?

Wir stehen für herausragende literarische Reportagen. Dafür benötigen wir die Unterstützung unserer Abonnentinnen und Abonnenten. Mit einem Reportagen-Abonnement investieren sie in das Schaffen von Autorinnen und Autoren, die sich für das Kleine Zeit nehmen, um das Grosse zu erfassen.
Hannes Grassegger unterwegs:
Hannes Grassegger
Hannes Grassegger
Hannes Grassegger
Hannes Grassegger
Hannes Grassegger