Fluch der Karibik

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Beat Sterchi verlor sein Herz an Honduras. Nach vierzig Jahren kehrt er zurück in ein zerrüttetes Land.

Beat Sterchi

Macondo

Tegucigalpa erwacht mit dem Tageslicht. Waren es in meiner Erinnerung Hähne und Hunde, die sich dazu als Erstes bemerkbar machten, ist es jetzt der Verkehr. Kurz nach fünf braust er los. Sofort ist klar, er ist mörderisch laut und bewegt sich nur sporadisch. Hier fährt man nicht, hier hupt man sich durch die schmalen Gassen. Auch kommt vor dem Hotelfenster jetzt ein architektonisches Desaster der Extraklasse zum Vorschein, das sich bei der Ankunft noch diskret in der Nacht verschleiert hatte. Nicht dass Tegucigalpa je eine Schönheit gewesen wäre, vielmehr war diese Stadt ausserhalb des historischen Teils schon vor 40 Jahren, zur Zeit des berühmten Fussballkrieges gegen den Nachbarn El Salvador, in einem derart schlechten Zustand, dass die damals eingeflogene internationale Presse auch dort über Bombardierungen berichtete, wo solche nie stattgefunden hatten. Noch gibt es zwischen all den Scheusslichkeiten ein paar der altehrwürdigen, riesigen Tropenbäume: Wie vergessen stehen sie auf einem Parkplatz oder verstaubt und deplaziert mitten auf einer Kreuzung. Sonst wurde flächendeckend mit jeder Art von Kolonialstil-Romantik aufgeräumt. Bei etlichen Gebäuden, die sich abenteuerlich über andere erheben, weiss man nicht, sind sie noch nicht fertig gebaut oder schon wieder am Zerfallen. 

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