Gestrandet: Flughafen Zürich

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Raucherzonen am Flughafen sind wie Schaufenster.

Claudio Landolt

Der Türflügel fiel hinter mir zu wie in einer Luftschleuse. Es zog mich rein in die Glashöhle, rein in die Raucherlounge. Lauras Flugzeug hat Verspätung und wird erst um 22 Uhr 45 erwartet. «Erwartet», las ich und dachte «Er wartet».

Irgendwas hat mich in diese Quarantäne für Nikotinsüchtige hineingezogen, obwohl ich nicht mehr rauche. Es müssen alte Verhaltensreflexe im Spiel gewesen sein.

In der Mitte der Glaskabine steht ein wuchtiger Tresen aus Furnierholz. An der Fensterfront dahinter ein zweiter, dort mit Barhockern. Sie gewähren den Rauchenden Ausblick auf die Gepäckausgabehalle. Die Ecke neben der Bar ist mit vier Fauteuils ausgefüllt. Ist das Polster? Nein. Hartplastik. Zwei Männer in zu engen T-Shirts haben sich in die Sitze gezwängt. Sie schauen nicht hoch, als ich mich auf einen Stuhl an den Bartisch vor der Glaswand setze.

Die Smokers-Lounge ist ein Schaufenster. Man raucht, starrt nach draussen und wird von draussen angestarrt. Statische Figuren, deren leere Blicke über die Bartheke wandern oder in die Ferne schweifen. Gelegentlich unterbrochen von Handbewegungen, die Zigaretten an geöffnete Lippen führen, um Lungen zu füttern.

Dass ich nicht rauche, scheint niemanden zu kümmern. Hier interessiert man sich nur für seine Dosis, nicht für das Verhalten anderer.

Ein hohles Pfeifen ertönt.

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