Gestrandet: Keren

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Gott, Liebe und Dosenbier, viel mehr gibt es nicht in Keren, drei Busstunden nordwestlich von Asmara, der Hauptstadt Eritreas.

Anna Hellge

Folterstaat. Vergewaltigungen. Zwangsdienst. «Unsinn!», sagt die Alte mit dem Goldzahn. «So was gibt’s hier nicht. Reinkommen, Bier trinken!» Es ist noch früh am Morgen, aber schon so heiss, dass uns der Schweiss bereits die Kniekehlen herunterläuft. Kein Mensch ist auf den Strassen zu sehen, wer Schatten findet, gibt ihn so schnell nicht mehr her. Wir checken in Goldzahns Absteige ein und tun wie geheissen: erst einmal ein Bier bestellen. An der Wand hängt ein Bild von Jesus und eins von Britney Spears. Aus den Boxen scheppert eritreische Popmusik, auf dem Regal stehen Pappkartons mit Kondomen, 145 Stück jeweils. «Warum?», frage ich. «Das ist ein Puff hier», sagt Goldzahn. «Ohne Gummis läuft gar nichts.»

Während wir unser Bier schlürfen, schallt der Ruf des Muezzins über den staubigen Innenhof zu uns herüber. Eine Frau flicht ihrer Tochter die Haare, eine andere spielt mit ihrem Sohn. «Bei Gottes Willen und wahrer Liebe wirken auch Kondome nicht», sagt Goldzahn. 

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