Gestrandet: Notsé

Diese Geschichte steht nur Abonnenten zur VerfügungLock icon

Weil die Eltern des Fünfjährigen die Transfusion und Medikamente nicht bezahlen können, wird niemand im Krankenhauses von Notsé aktiv.

Barbara Bachmann

In der Pädiatrie des Krankenhauses von Notsé, einer Kleinstadt im Landesinneren von Togo, stützen Eltern ihre geschwächten, in Stahlbetten liegenden Kinder. Ein Junge in weissem Shirt und weisser Windel, wohl um die fünf Jahre alt, atmet schwerer als die anderen. Er röchelt, er kämpft, hat keine Kraft mehr im kleinen Körper und bald auch kein Blut – Anämie ist eine Folgeerscheinung der togolesischen Volkskrankheit Malaria.

Weil seine Eltern die Transfusion und Medikamente nicht bezahlen können, weil sie nicht einmal 40 Euro auftreiben können, wird niemand im Krankenhaus aktiv. Nicht die Krankenschwester, nicht der Arzt, niemand. Im Alltag Afrikas kann es sich keiner leisten, Ausnahmen zu machen. Also sitzen sie da, ordnen Krankenakten und Kanülen. Sie bleiben sitzen, während das Kind kämpft und die Zeit rennt.

Die Uhr schlägt 10 an diesem Donnerstagvormittag Anfang Februar, aber schon liegt die Hitze über Togo wie ein zu schweres Tuch. Erst seit sechs Stunden bin ich im Land.

Sie möchten weiterlesen?

Wir stehen für herausragende literarische Reportagen. Dafür benötigen wir die Unterstützung unserer Abonnentinnen und Abonnenten. Mit einem Reportagen-Abonnement investieren sie in das Schaffen von Autorinnen und Autoren, die sich für das Kleine Zeit nehmen, um das Grosse zu erfassen.

Mehr aus dieser Serie