Gestrandet: Teheran

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Iran. Die erste Solo-Reise-Reportage. Ich fuhr Ski im Elburs-Gebirge, sah Delfine im Persischen Golf, trank schwarzen Tee mit Brocken von Kandiszucker, gross wie Zehennägel. Es war Eden auf Erden. Dann kam Hoca.

Anna Antoni

Fünf Jahre ist es her, dass ich einem freundlichen persischen Polizeibeamten mit Fingerabdruck aus dunkelblauer Tinte besiegelte, diese Geschichte niemals zu erzählen. Ich hätte ihm so ziemlich alles besiegelt, was er verlangte, nur um aus meiner misslichen Lage wieder herauszukommen.

Iran. Die erste Solo-Reise-Reportage. Ich fuhr Ski im Elburs-Gebirge, sah Delfine im Persischen Golf, trank schwarzen Tee mit Brocken von Kandiszucker, gross wie Zehennägel. Ich zählte die Sterne vom Dach einer Oase inmitten der Salzwüste. Es war Eden auf Erden. Dann kam Hoca.

Ich traf ihn am frühen Nachmittag. Wir tranken Schwarzmarktfusel wie russisches Roulette, mit jedem Schluck die Chance zu erblinden. Zu Marilyn-Manson-Songs erzählte er von seiner Mutter, redete schlecht über sie. Ich mochte ihn nicht. Hoca hatte sein Englisch mit Rap-Songs und amerikanischen Gangsterfilmen erlernt. Sein Frauenbild auch.

Diese ganzen weissen Bitches wollten es doch so richtig besorgt bekommen, sagte Hoca und zog mir das Shirt von den Brüsten, bevor er den billigen Fusel über seine weissen Basketballschuhe erbrach.

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