Goldgrube Tante Heidi

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Duschstuhl und Notfallknopf in der Hightech-Wohnung: Das Geschäft mit den Alten blüht.

Claude Fankhauser

Als ich in diesem «Fachgeschäft für Hilfsmittel» stand, fühlte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben so richtig alt. Ich bin zwar deutlich über der Teenager-Grenze, und mir ist durchaus bewusst, dass ich mich bezüglich meiner noch zu erwartenden Lebensjahre eher auf der halb leeren denn auf der halb vollen Seite des Glases befinde. Trotzdem spürte ich hier den Geist der Gebrechlichkeit, der mir in Farben irgendwo zwischen kreischender Coolness und Pflegeabteilung nur eines zuzuflüstern schien: Bald bist auch du dran. Der Verkäufer trug das Seine zu diesem Eindruck bei. Er war im Kontrast zu uns Kunden jung, beflissen, freundlich und gewöhnt daran, langsam und deutlich zu artikulieren. Und zwischen all den Produkten, deren phantasievolle Namen mehr schlecht als recht kodifizierten, dass es hier ernst zugeht (als Beispiel sei die Marke «Attends» für Windeln genannt), begann es auf einmal in mir zu zwicken. Der Rücken. Die Blase. Die Beine. Oje

 

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