Hinter der Firewall

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Was tun, wenn Hacker angreifen? In einem Trainingszentrum in Tschechien proben Firmen den Ernstfall.

Kilian Kirchgessner

Milan Balazik schreitet durch das Zentrum seiner Macht wie ein siegessicherer Feldherr. Er kennt den Knopf im Kontrollraum, der die blauen Fensterläden elektrisch schliesst, so dass kein Lichtstrahl mehr eindringt, er weiss um den Algorithmus, mit dem er sämtliche Handys weit und breit zum Abstürzen bringen kann. Jetzt steht er hier zwischen den Computern, die Beine breit, die Hände in die Hüften gestemmt, und wartet auf den Feind.

Der Ort, von dem aus Milan Balazik seine Feldzüge startet, ist einer der sichersten Plätze in Tschechien. Die Villa steht im Speckgürtel Prags, vom Zentrum aus fährt man eine Dreiviertelstunde über die Autobahn und kurvt dann durch Vorstadtstrassen, in denen sich der wachsende Wohlstand der Tschechen zeigt: Lücken in mannshohen Hecken geben mancherorts den Blick auf Gärten frei, die wie Parks anmuten und die perfekte Kulisse sind für riesige Häuser, steingewordene Träume moderner Architekten, die hier endlich einmal losplanen durften, ohne sich um Budgets und andere Hindernisse kümmern zu müssen. Es ist später Vormittag, junge Mütter schieben Kinderwagen über die Strasse, und kurz bevor sie ganz hinten in ein Wäldchen abbiegen, kommen sie an der Villa vorbei, in der Milan Balazik seine Waffenkammer hütet. Hoch ist der Zaun, an der Klingel fehlt ein Name, und die Kameras an allen Ecken erfassen jeden, der in die Nähe kommt. Für jene, die hereingelassen werden, öffnet sich das erste Automatiktor, das den Weg freigibt in den Sicherheitsstreifen, auf dem nachts die Hunde patrouillieren, und erst wenn sich das Tor wieder geschlossen hat und der Besucher mit dem Auto wie in einer Schleuse steht, gibt das nächste Tor den Weg frei zum Kampfplatz.

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Kilian Kirchgessner unterwegs:
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