Ich bin eine Gelbweste

Das Symbol des sozialen Protests in Frankreich ist zugleich ein Produkt der Globalisierung.

Catherine Le Gall, Simon Leplâtre und Léna Mauger

Ich wiege knappe hundert Gramm, aber an mir kommt ihr nicht vorbei. Ich bin grell, geschmeidig, praktisch und populär. Ihr streift mich über eure Kleider. Ich bin in euer Leben eingedrungen. Ihr hattet keine Wahl. Angefangen hat alles auf den Rollfeldern der Flughäfen, unter den Kränen, im Matsch der Baustellen war ich, um schliesslich im Handschuhfach eurer Autos zu landen. 2008 brüstete ich mich auf Plakaten, getragen vom Modeschöpfer Karl Lagerfeld mit schwarzer Brille, neben dem Slogan: «Sie ist gelb, sie ist hässlich, sie passt zu nichts, aber sie kann Ihr Leben retten.» Ihr habt mich akzeptiert. Im Namen der Sicherheit. Dank den europäischen Normen bin ich ein Alltagsgegenstand geworden. Aus dem Nichts habt ihr aus mir ein Massenkonsumgut gemacht. Ohne zu überlegen. Dank euch werde ich jedes Jahr hundertmillionenfach in ganz Europa verkauft. Ich bin eine Weste, und jetzt tragt ihr mich zum Demonstrieren.

Die Tunesier hatten Mohamed Bouazizi, den Strassenverkäufer, der sich aus Verzweiflung selbst verbrannte und mit seinem Suizid den Arabischen Frühling auslöste. Er bleibt als der Mann in Erinnerung, von dem alles ausgegangen ist. Derjenige, der meine Bewegung in Frankreich lostrat, heisst Ghislain Coutard.

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Grossgewachsen, 36 Jahre alt, und er hat eine Leidenschaft für den Automobilsport. Er wohnt in der Nähe von Narbonne, repariert Druckluftkompressoren und Stickstoffgeneratoren für den Weinbau. Ghislain fährt jeden Tag zwischen 300 und 500 Kilometer mit seinem Kleinlaster. Der Familienvater beklagt sich nicht über seinen Lohn von ungefähr 2000 Euro, «es geht so», aber als er am 24. Oktober 2018 auf Facebook einen Aufruf zur Demonstration gegen die Erhöhung des Benzinpreises sieht, denkt er an die Kumpels, die sich abrackern, an die Ärmsten unter ihnen, für die eine zusätzliche Abgabe weniger Essen bedeutet. Er steigt in sein Auto und macht ein Video, in dem er von seinem Überdruss spricht: «Ich hoffe wirklich, dass etwas passiert, dass die Franzosen sich aufraffen, aus sich herauskommen, eine hübsche, solide Blockade errichten, zeigen, dass nicht nur der Fussball sie zusammenbringt.» Und genau da erweckt Ghislain mich zu einem zweiten Leben. Er greift spontan zu der gelben Weste, die «alle in ihrem Wagen haben». «Legt sie gut sichtbar auf das Armaturenbrett, um zu zeigen, dass ihr mit uns einverstanden seid, mit der Bewegung!» Das Video, das nur eine Minute zwanzig dauert, geht viral. Meine Legende ist geboren.

Ihr Menschen braucht Symbole für eure Empörung: die Bonnets rouges oder Sansculotten, Rosen in Georgien, Sonnenblumen in Taiwan, Regenschirme in Hongkong. Ihr erkennt euch untereinander dank den Farben: dem Violett der englischen Suffragetten, dem Orange in der Ukraine. Ihr habt aus mir das Zeichen des krisengeschüttelten Frankreich gemacht. Das Aushängeschild der Wut. Das Gelb hat eure Träume und Albträume heimgesucht, sich in eure Diskussionen geschlichen. In eure Fernsehshows, eure politischen Programme. Ihr wolltet mich zweckentfremden, einen Gegenstand, den man euch aufgezwungen hat, um es jenen zu zeigen, die ihn euch aufgedrängt haben, und so die Unsichtbaren sichtbar machen. Ohne zu wissen, dass ausgerechnet meine Existenz die eure bedroht. Dass die Menschen, als sie mich erfanden, herstellten und mich immer billiger haben wollten, in ihr Unglück rannten. Ihre eigene Vernichtung vorantrieben. Folgt mir.

 

Ich bin ein Steuerflüchtling

Monatelang habe ich den Kreisverkehren, die eure Landschaft und eure Vorstädte verunstalten, etwas Farbe verliehen. Mit 40 000 Kreisverkehren ist Frankreich Weltspitzenreiter. In gewisser Weise habe ich den Verkehrsinseln Wärme geschenkt, Menschlichkeit, Leben. Ein Slogan vorne, einer hinten, schwarze Buchstaben auf gelbem Grund: «Macron, dir ist dein Volk egal»; «Kein Fascho, nur wütend» (Pas facho, juste fâchée); «Wer Elend sät, wird Wut ernten»; «Sorry für das Chaos, wir kämpfen für euch». In Hütten, unter gespannten Planen sah ich die Demonstranten im Winter schlottern, in der Frühlingssonne die Augen zukneifen, sie brachten Kaffee, Süssigkeiten, Stühle, Sofas, Decken. Ich hörte, wie sie völlig Unbekannten ihr Herz ausschütteten, und es sah aus, als würde es ihnen guttun, wenn sie ihre Geschichten vom Fallen und wieder Hochkommen erzählten, so unterschiedlich sie auch waren. Sie alle berichteten von einer Zerstörungsmaschinerie. Hättet ihr gedacht, dass ich deren Verkörperung bin?

Man kauft mich in den Einkaufszonen am Rande der Verkehrsinseln. Blaue Schilder verkünden «Wartung, Motoren, Reifen». Mancherorts bekommt man mich für 2 Euro 90. Nicht einfach, unter meiner durchsichtigen Verpackung herauszufinden, wo ich herkomme und wer mich gemacht hat. Ich bin eine Art Wundertüte. Ein Hinweis verkündet in 21 Sprachen eine Litanei von Vorsichtsmassnahmen und endet mit zwei eingerahmten Adressen «für weitergehende Informationen». Die eine in England, die andere in Luxemburg. Sieh an, ich werde von einem Steuerparadies aus vertrieben.

Da ist auch der Name eines Unternehmens, Euro Protection, das sich auf seiner Homepage rühmt, «einer der Hauptakteure in der Entwicklung von persönlichen Schutzausrüstungen» zu sein. Als Mitglied der Worldwide Europrotection vertreibt es Sicherheitsschuhe, Atemmasken und ein Sortiment von Kleidung zum Schutz «vor chemischen, elektrischen, elektrostatischen oder thermischen Risiken».

Wir lesen weiter: «Seit Jahrzehnten stellt Euro Protection seine hervorragende Qualität unter Beweis, seine Technik und seine Fähigkeit, Ihre Anforderungen zu erfüllen. Das Vertrauen, das Sie uns hinsichtlich der sensiblen Aktivitäten, die die Sicherheit betreffen, entgegenbringen, ist der beste Beweis im täglichen Leben.» Ein paar Mausklicks, und wir befinden uns im Reich des Schwammigen. In der Welt der Multis. «1953 verlässt das erste Paar Handschuhe unser Werk.» Wo die Fabrik stand und wer sie leitete, wird nicht präzisiert. «10 000 Kunden, 4 000 Referenzen, präsent in 70 Ländern.» In welchen? Es gibt keinen Tätigkeitsbericht, keinen Finanzbericht, keine Informationen. Als wäre ich aus dem Nichts aufgetaucht.

Um das Geheimnis zu lüften, muss man das Mémorial auftreiben, das Amtsblatt des Grossherzogtums Luxemburg. Diese Sammlung von Publikationen über Gesellschaften und Verbände teilt mit, dass der Hauptverwalter von Euro Protection Norbert Dentressangle heisst und in Lyon wohnt. Endlich etwas Handfestes. Ein Mann, eine Firma, eine Stadt. Wenn man lange genug sucht, erfährt man, dass Euro Protection zuerst einer gewissen Familie Delore gehörte. Danach wurde die Bank Edmond de Rothschild Aktionär, die sich 2016 wieder zurückzog. Nun beteiligt sich Norbert Dentressangle via Capextens, eine Private Equity Holding. Mit anderen Worten, ein Investmentfonds.

Norbert Dentressangle, laut Challenge Rang 55 der grössten Vermögen Frankreichs, ist ausserdem Chef von Kiloutou, einer Firma, die Arbeitsgeräte und Maschinen vermietet, aber auch des Meinungsinstituts Ifop, das zahlreiche Studien durchführte: Der Blick der Franzosen auf die Gelbwestenbewegung und die Alternativen zu Emmanuel Macron − Die Franzosen und die Gelbwesten − Der Blick der Franzosen auf die Gelbwesten − Der Blick der Franzosen auf die Gelbwesten nach den Ankündigungen der Regierung − Die Folgen der Mobilisierung der Gelbwesten für die Reformfähigkeit der Exekutive.

Norbert Dentressangle wurde 1954 in eine Familie kleiner Transportunternehmer in der Drôme hineingeboren, er gründete mit 15 000 von seinen Eltern geliehenen Euros seine erste Gesellschaft. Seine Idee war, Obst und Gemüse aus der Ardèche nach Grossbritannien zu exportieren. Er wird als intelligent, anspruchsvoll, steif und asketisch beschrieben, er begann mit sechs Fahrzeugen, wurde zum ersten Spediteur Europas und expandierte nach Asien und Amerika. Er ist Katholik, Mitglied mächtiger Lyoner Kreise, verhielt sich stets diskret, in sich selbst zurückgezogen, auf die Arbeit konzentriert, wenn er sich nicht gerade in seinen Anwesen in Megève oder Saint-Tropez erholte.

2011 verklagte die Gewerkschaft CFTC ihn wegen rechtswidriger Arbeitnehmerüberlassung und Schwarzarbeit: Das Unternehmen wurde beschuldigt, polnische, portugiesische und rumänische Fahrer angestellt zu haben, die in Bussen nach Frankreich gebracht wurden, einen Monat arbeiteten und wieder gingen. Und durch die nächsten billigen Fahrer ersetzt wurden. Und so weiter. Vier Jahre später, als der Prozess noch immer lief, verkaufte Norbert sein Transportunternehmen für 3,53 Milliarden Dollar an die amerikanische Gruppe XPO Logistics. Und stieg, neben anderen Investitionen, bei Euro Protection ein.

Norbert Dentressangle erteilt der Presse keine Auskunft. «Es bringt nichts, sich zu exponieren, höchstens Scherereien», vertraute er seinen Angehörigen an. Und die Gründerfamilie, 2016 noch immer im Besitz von 42 Prozent des Kapitals? Auch dort: Schweigen. Das Amtsblatt des Grossherzogtums Luxemburg nennt die Namen Frédéric und Nicolas Delore, geboren 1959 und 1960. Sind sie Brüder? Sie leben heute in der Schweiz, und das Blatt gibt nur eine Privatadresse an. Im Internet ist ein wohlhabendes Viertel mit komfortablen Häusern und schönen Gärten zu sehen.

 

Ich bin eine neue chinesische Stadt

Ich werde von globalisierten Unternehmen verkauft, die ihre Fabriken in Frankreich geschlossen haben, um dort zu produzieren, wo die Arbeitskräfte billiger sind, in Polen, Rumänien, Sri Lanka, Peru, Argentinien, Brasilien, in der Türkei, in Indien und vor allem in China. Nehmen wir Delta Plus, ein von Jacques Benoît im Süden Frankreichs gegründetes Familienunternehmen, das zum «Weltexperten für Personenschutzausrüstungen» geworden ist: Verkauf in 90 Ländern, 27 Filialen in Europa, Asien und Lateinamerika, 10 000 Verkaufsstellen und 1800 Angestellte. Das Werk in China in der Grösse von 12 000 Quadratmetern soll für die Arbeiter in Wujiang, in der Nähe von Schanghai, über 600 Schlafsaalplätze verfügen. Aber dies zu überprüfen, ist nicht möglich. Keine Besuche erlaubt. Als wäre ich illegal. Ein Schwarzarbeiter.

Ich bin nach wie vor ein Rätsel. Begeben wir uns zur Klärung meiner Geburt nach China, in dieses Reich von 1,4 Milliarden Menschen. Zwecklos, sich als Journalist zu erkennen zu geben. Diejenigen, die euch diese Geschichte erzählen, sind vonseiten der Fabrikanten um die zwanzigmal abgewiesen worden. Doch die Reporter sind listig. Sie haben sich als Angestellte einer Agentur ausgegeben, die europäischen Unternehmen auf der Suche nach chinesischen Produktionsfabriken hilft. Sie tauften ihre imaginäre Gesellschaft «Sourcing Asia» und erklärten, sich für eine französische Firma nach einer Produktionsstätte für Warnwesten umzusehen. Der chinesische Chef von Duntai, Fabrikant von Schutzausrüstung, hat sein Interesse bekundet und ein Treffen in der Provinz Henan vereinbart, mehr als vier Stunden im Schnellzug von Schanghai im Landesinnern gelegen.

Am Bestimmungsort ein breiter, von Baumreihen und Parkplätzen gesäumter Platz vor grossen, grauen, mit gelben Kränen und Gerüsten gespickten Betongerippen. Auf einem Propagandaplakat lächelnde Arbeiter und ihr lächelnder Vorgesetzter. Auf dem Plakat wird eine ultramoderne Stadt aus dem Boden gestampft. Sie heisst Minquan. Der Slogan: «Minquan aufbauen, Minquan integrieren.» In fünfunddreissig Jahren sind 500 Millionen Chinesen vom Land in die Städte gezogen. Das ist die grösste Migration der Menschheitsgeschichte. Doch das Land kann das Städtewachstum nicht mehr seinem natürlichen Lauf überlassen: Die Megastädte müssen entlastet und neue Städte «gesät» werden. Minquan, 920 000 Einwohner, ein Auswuchs von Shangqui, 8,5 Millionen, ist eine von ihnen. Damit die Bauern nicht mehr in die Städte ziehen, kommt die Stadt zu ihnen. Auch die Bauarbeiter, die den Beton für Minquan giessen, tragen mich.

 Weitere Plakate verraten, was der Traum des Staatspräsidenten Xi Jinping zu sein scheint: Reihenweise Arbeiter am Fliessband, die auf blauen Plastiksesseln, Haube auf dem Kopf, eine unsichtbare Arbeit verrichten. Einwohner von hinten, auf denselben Sesseln, die sich vor der Kulisse von Gebäuderiegeln aus Fertighäusern eine Tanzaufführung ansehen. Dazu der Werbespruch: «Wir heissen die Migrantenarbeiter willkommen, die zurückkehren, um Arbeit zu finden, ihr Geschäft aufzubauen und am ökonomischen und sozialen Aufschwung in ihrer Heimatstadt teilzuhaben.» China kann sich nicht mehr damit zufriedengeben, die Fabrik der Welt zu sein: Mit einer Gehaltserhöhung von dreihundert Prozent in zehn Jahren ist es inzwischen weniger wettbewerbsfähig als andere Länder wie Vietnam oder Mexiko. Das Reich der Mitte muss auch konsumieren. Mit dem Erstarken der Städte hoffen die Behörden, eine Mittelklasse zur Stützung der Wirtschaft zu schaffen.

Der Eigentümer von Duntai wartet auf einem Parkplatz, an einen neumodischen Minivan gelehnt. Braune, offene Daunenjacke, dichte, leicht hochgekämmte Haare, rechteckige Hipsterbrille, der junge Mann achtet auf seinen Look. Mao Feng ist 28, spricht ziemlich gut Englisch und nennt sich «Jason». Die neue Stadt zieht sich über mehrere Kilometer dahin: ein grosses, kreisförmiges Museum zum Ruhm des Philosophen Zhuangzi, eines Schülers von Laotse, die beide aus der Gegend stammen; Wohngebäude und Baustellen, leerstehende Läden. Dann auf einmal das Land. Nackte Erde. Abgesehen von ein paar ausgetrockneten Grasbüscheln in den Gräben wächst nichts, was nicht auf kleinen Parzellen angepflanzt worden ist – Weizen, Knoblauch, Pflaumen. Jason hat seine Geschäftspartnerin dabei, Frau Ding, in den Fünfzigern, schwarz getönte Haare. Sie beklagt sich: «Es regnet hier fast nie.»

Wir fahren los. Frau Ding lenkt den Wagen. Sie stammt aus der Küstenprovinz Zhejiang, die stärker entwickelt und grüner ist, wo es Hügel, Bambus und Teefelder gibt. Frau Ding leitete bereits dort eine Warnwestenfabrik, bevor sie letztes Jahr in diesem dürren Land eine neue eröffnet hat, auf den Spuren ihres Bruders, eines Bauunternehmers, der den Bauern gegen eine magere Entschädigung vom Staat konfisziertes Terrain abkauft. In den letzten drei Jahren sind so zahlreiche Werke entstanden, die von Existenzgründungsbeihilfen im Rahmen von Armutsbekämpfungsprogrammen, Subventionen für den Bau von Gebäuden, Verkaufsprämien und von Löhnen profitierten, die hier niedriger sind als anderswo. «Ein Arbeiter in Zhejiang erhält 5000 Yuan im Monat. Hier sind es 2500 Yuan.» Das sind etwa 320 Euro. «Und man bezahlt keine Abgaben auf die Löhne!», sagt Jason. Gemeinsam mit seinem Cousin kümmert sich der Unternehmer um den kommerziellen Bereich, Kunden, Verkauf, Export.

 

Ich bin ein moderner Sklave

 

Ein alter Hund zieht bellend an seiner Kette, während Frau Ding den Minivan vor einem Hangar parkt. Meine Wiege. Auf der Fassade aus dunkelgrauem Blech stehen in Rot die chinesischen Zeichen für: «Shangqui Duntai, Schutzausrüstungen». Das Innere ist minimalistisch: ein weiter Raum mit poliertem Zementboden, vollgestellt mit Kartons und Stoffrollen in Neongelb und Neonorange. Ein Mann und eine alte Frau schneiden sie auf einem riesigen Werkstatttisch zu. Daneben werde ich von etwa fünfzig Arbeiterinnen in Ärmelschürzen genäht an Tischen, die aus einfachen, aneinandergereihten Platten bestehen, darauf grosse, brummende Nähmaschinen, Neonlampen, ihre Handtaschen, ein Smartphone, eine Thermoskanne oder eine Flasche aus transparentem Plastik für den Tee. Sie sind im Durchschnitt vierzig Jahre alt und haben die für diese Gegend typische braune Haut. Viele von ihnen arbeiten zusätzlich auf den familieneigenen Feldern. Meine Herstellung ist weniger anstrengend als die Arbeit in den Elektronikfabriken, die Arbeit zieht daher ältere Angestellte an. Und auch ärmere. Jason beutet in den diversen Werken um die hundert, je nach Auftragslage bis zu zweihundert von ihnen aus. Sie erhalten eine kurze Ausbildung und arbeiten dann acht bis zehn Stunden täglich, mit «vier freien Tagen pro Monat». Die Mahlzeiten werden gestellt. «Und die Frauen», sagt Jason, «die kann man schlechter bezahlen, da sie keine anderen Möglichkeiten haben.»

Ich bestehe aus drei Polyesterteilen, Nähten, Klett- oder Reissverschlüssen. Verarbeiten, prüfen, in eine durchsichtige Folie schieben: Ich komme in wenigen Minuten zur Welt. Jason streicht über dünnen Stoff mit kleinen Löchern, von niedriger Qualität, der für die Entwicklungsländer bestimmt ist, dann über einen dickeren, engmaschigeren – «die Norm in Europa», sagt er. Ich bin aus Kunstfaser, aus der Petrochemie hervorgegangen. In stickigen, mit toxischen Dämpfen angefüllten Hangars wird Plastik erwärmt, um eine zähflüssige Paste herzustellen, die fliessgepresst und abgekühlt wird, damit Fäden entstehen. Meine reflektierenden Streifen stammen aus Mikrokugeln aus Glas oder Plastik. »Sämtliche Grundstoffe kommen aus chinesischen Fabriken, darum bleiben wir konkurrenzfähiger als Fabrikanten anderer Länder», freut sich Jason.

In den Containerbüros zeigt ein Bildschirm die Aufnahmen der Überwachungskameras, welche die Schneiderinnen bei der Arbeit beobachten. Der Jungunternehmer glaubt noch immer, er unterhalte sich mit einem französischen Sourcing-Beauftragten. «Falls Ihnen bestimmte Designs vorschweben, können Sie sie mir schicken, wir machen Ihnen ein Preisangebot und lassen Ihnen Muster zukommen», fährt er fort, während er zwei Prototypen vorzeigt: eine orange Weste mit Reissverschluss und eine gelbe mit Klettverschluss. Auf dem Etikett steht «Made in Turkey». Was den Jungunternehmer nicht aus der Ruhe zu bringen scheint: «Das müssen wir wegen des Zolls machen, sie wurde aber hier hergestellt.»

 

Ich bin der einflussreichste Pensionsfonds

untai ist keine Marke, sondern ein Subunternehmer, der mich auf dem grössten Grosshandelsmarkt des Landes an chinesische oder ausländische Händler oder über den chinesischen E-Commerce-­Giganten Alibaba vertreibt. Wenn ihr online nach «Warnweste mit hoher Sichtbarkeit» oder «Sicherheitsweste» sucht, bekommt ihr seitenweise Treffer mit meinem Lebenslauf, meinem Foto, meinen Massen, meinen Materialien, meinen technischen Eigenschaften. Man findet auch die Namen der Lieferanten, in grosser Mehrheit chinesische: Danny Liang Dongguan Superfashion Reflective Material Co., Ltd; Cara Hu Haining YRD Industry and Trade Co., Ltd; Tina Yuan Shenzhen Kangaroo Garments Co., Ltd; Sam Chen Shanghai Eroson Traffic Facility Co., Ltd; Zhenggang Du Linyi Dibai Commerce And Trade Co., Ltd; WLL ET Eastony Industries (Ningbo) Co., Ltd. Manchmal verhökert mich ein Zulieferer an den nächsten weiter. Mein Preis ist auf 60 oder 70 Eurocents angesetzt, im Zehner-, Fünfziger-, Hunderter- oder Tausenderpack sogar auf 40 bis 45 Cents. Auf den Websites, wo ihr mich zwischen Fernsehern, Matratzen, Waschmaschinen, Handyhüllen oder Baby-Nasenreinigern erwerben könnt, beträgt mein Preis zwischen 2.90 und 5 Euro. Die Gelbwesten-Bewegung hat für frischen Wind gesorgt. Händler haben Sonderangebote ausgeschrieben, «Warnwesten, drei für zwei». Andere lancierten Westen «aus biologischem Stoff mit natürlichen Farbstoffen».

Die Welt gehört mir, der Planet kommt mir winzig vor. In den Häfen von Schanghai, Ningbo, Guangzhou oder Shenzhen besteige ich das Frachtschiff. Auf diesen Ozeanriesen, lang wie fünf Airbusse, mit bis zu 18 000 Containern beladen, fahre ich zwischen Hongkong und den Philippinen Richtung Malaysia und Südindien, dann zum Golf von Aden und hinein in den Suezkanal. Im Mittelmeer geht’s weiter durch die Strasse von Gibraltar und dann durch den Golf von Biskaya. Die Reise dauert einen guten Monat, meine Schiffe sind die umweltschädlichsten der Welt, verantwortlich für bis zu sechzig Prozent des gesamten CO2-Ausstosses im Seetransport. Ich reise auch im LKW, und seit China die einstige Seidenstrasse wieder hergestellt hat, komme ich manchmal auch im Zug, gemeinsam mit Elektronikartikeln, Telefonen, Kopfhörern und Textilien. 11 300 Kilometer durch sechs Länder bis nach Lyon.

Bevor ich in euren Autos lande, döse ich in «Eco-Industrial-­Parks» wie der Logistikzone von Saint-Martin-de-Crau, 150 Hektar, ideal gelegen zwischen den Häfen von Marseille und Fos-sur-Mer, wo sich französische Nationalstrassen und die Achse Spanien−Italien kreuzen. Um die zwanzig Lagerhallen, darunter eine der grössten Frankreichs, die der Baumarktkette Castorama, 113 000 Quadratmeter. Früher war dieses steppenartige Gebiet, vom Mündungsdelta des Flusses Durance gestaltet, der Lebensraum für seltene Vogelarten wie das Spiessflughuhn, die Zwergtrappe oder den Rötelfalken. Die menschliche Aktivität hat hier drei Viertel von ihnen zum Aussterben gebracht. In Frankreich wie in China verwüste ich die Landschaft.

Greift man bei Castorama nach mir, nachdem ich mein riesiges Lager verlassen habe, informiert ein Etikett darüber, dass ich in der VRC hergestellt worden bin – Abkürzung für Volksrepublik China. Doch wo genau in diesem Riesenreich? Und stimmt es überhaupt? Meine in acht Sprachen übersetzte Konformitätserklärung ist von einer gewissen Lisa Davis unterzeichnet, Qualitätsmanager bei Castorama: Weiss sie selbst es? Keine Antwort. Weder von ihr noch von irgendeiner Abteilung. Wie immer verheimliche ich meine Herkunft.

Genau wie Delta Plus oder Dentressangle erzählt Castorama die Geschichte eines Familienunternehmens, das hoch hinaus wollte. Angefangen hat es als einfaches Geschäft für Werkzeughandel, dann machte sich die von der Familie Dubois gegründete Marke mit Brico Dépôt auch bald einen Namen im Discountmarkt, bevor sie ihr Kapital 2002 an die britische Gruppe Kingfisher verkaufte, ein auf home improvement, auf Verbesserung der Wohnqualität spezialisierter multinationaler Konzern. Wenn ihr mich bei Castorama kauft, gehen also 4.90 Euro an Kingfisher: 1300 Geschäfte in zehn Ländern Europas, 78 000 Angestellte, die Ambition, zur Nummer eins im Baumarktsektor zu werden. Man kennt das blaugelbe Logo, doch wer am Schalthebel sitzt, ist nicht bekannt. Die PR-Abteilung der Gruppe schweigt eisern. Schlägt man den Geschäftsbericht von 2018 auf, stellt man fest, dass die Aktionäre in diesem Jahr nahezu 600 Millionen Euro eingestrichen haben. Einer von ihnen ist Black Rock. Mit 6000 Milliarden Dollar Aktiva der einflussreichste Pensionsfonds weltweit. Ihr Gründer, der Geschäftsmann Larry Fink, grauer Anzug, zartrosa Krawatte, Stirnglatze, ist der Sohn eines ehemaligen Schuhverkäufers, der die Stufen des modernen Erfolgs erklommen hat.

Auch die Angestellten von Castorama streifen mich über, um zu demonstrieren. Im Januar hielten etwa fünfzehn von ihnen eine ganze Nacht lang die Filiale von Englos im Norden besetzt, um eine Gehaltserhöhung von hundert Euro zu erreichen. Am anderen Ende von Frankreich, bei Castorama in Antibes, berichtet ein junger Verkäufer mit braunem Bart, Nicolas Euzenot, vom Produktionsrhythmus, von Entmenschlichung, vom Zynismus seiner Direktion: 2018 haben «sie» den Abbau von vierhundert Bürostellen angekündigt im Zuge der Verlagerung nach Polen, und sie haben von den französischen Angestellten verlangt, ihre polnischen Nachfolger einzuarbeiten. Als die Gelbwesten anfingen, eine Erhöhung der Kaufkraft zu fordern, hat sich Nicolas der Bewegung angeschlossen, weil sich das mit dem Kampf in seiner Gewerkschaft CGT deckte. Nicolas ist gar bis nach Paris gefahren und hat «die Stimmung und vor allem die beeindruckende Menge, die sie waren» in guter Erinnerung.

Der Verkäufer von Heimwerkerartikeln braucht mit dem Auto eine Stunde «zu Casto» und verdient nach zehn Jahren 1250 Euro pro Monat zuzüglich Prämien. Seit ein paar Jahren hat er das Gefühl, zu einer Maschine zu werden. Eines Tages, erzählt er, haben «sie» ihnen ein Video von einem Roboter in einem Gang gezeigt: Man verlangt Schrauben, er holt sie. «Sie haben uns gesagt, es sei nur eine Unterstützung für die Verkäufer. Aber beängstigend ist das schon.» Früher, da kannten die Profis ihre Produkte noch, wussten, wie sie funktionieren, woher sie kommen.

«Inzwischen werden sie uns aufgedrängt. Alles ist standardisiert: Die Bestellungen laufen über eine Kaufzentrale, und wir haben überhaupt keinen Einfluss mehr drauf.» Doch Nicolas Euzenot weiss nicht, gegen wen er kämpft. Seine Kollegen teilen sein Unbehagen, ohnmächtig diesem «sie» gegenüber, das gleichzeitig die Hierarchie, die Bosse, die Mächtigen meint.

 

Ich bin konform

Ich bin eine Gelegenheit, ein Gegenstand der Vereinnahmung. Eure Regierungen unterdrücken euch und benutzen mich, um ihre Sicherheitsgesetze durchzudrücken. Die ehemalige rechte Hand von Marine Le Pen, Florian Philippot, liess beim französischen Patent- und Markenamt das Markenzeichen «Gilets jaunes» eintragen, genauso wie die Werbeagentur, die hinter dem Slogan «Sie ist gelb, sie ist hässlich, sie passt zu nichts, aber sie kann Ihr Leben retten» steckt, sowie rund zwanzig Privatpersonen. Ich mache mir nichts vor. Auch das ist Business: Markenzeichen eintragen zu lassen.

Ich werde immer bekannter. Demonstranten haben mich in Israel, Belgien, Spanien, Polen, Portugal, Bulgarien und in Deutschland getragen. In Ägypten hat die Regierung mit dem Verbot meines Verkaufs reagiert. Auch wenn euer Protest erlahmt, ich mache mir keine Sorgen. Vielleicht fordern eure Regierenden, dass ihr meine Farben wechselt, vielleicht meine Form, um einen Schlussstrich zu ziehen. Aber ich habe eine Zukunft in euren Sicherheitsgesellschaften. Ich reproduziere und vervielfältige mich dank eurer auf Wachstum basierenden Wirtschaft. Ich profitiere von neuen Normen, die jene auferlegen, die euch regieren. Die Gesellschaften, die sich an mir bereichern, haben das sehr wohl verstanden, es reicht, einen Blick auf den Jargon ihrer Internetauftritte zu werfen. Über Euro Protection: «Von Jahr zu Jahr entwickeln sich die europäischen Normen weiter und stellen immer höhere Anforderungen […]. Um sicherzustellen, dass unsere Produkte sämtliche Anforderungen der geltenden Normen erfüllen, ziehen wir mehrere benannte Stellen hinzu, die die Konformität der Produkte prüfen und bescheinigen. Hier einige dieser Stellen: Satra, SGS, Intertek, Inspec und CTC.»

Ich bin als «konform» bescheinigt worden. Aber durch wen? Intertek beispielsweise ist ein multinationales Inspektions-, Prüfungs- und Zertifizierungsunternehmen mit Sitz in London. Ebenfalls börsennotiert, beschäftigt es über 42 000 Angestellte in 1000 Labors in rund hundert Ländern. Unter seinen Aktionären findet sich der berühmte Investmentfonds Black Rock. Kuriosum unserer Wirtschaft: Man lässt die Konformität eines Produkts, das von einem Unternehmen hergestellt wird, von dem Black Rock Aktionär ist, von einem Unternehmen prüfen, von dem Black Rock ebenfalls Aktionär ist. Dazu also dienen serienmässig fabrizierte Normen. Ich bin eine Geldpumpe. Und zugleich sind die Normen einfach zu umgehen. Intertek zögerte nicht, dies zu tun, um einem seiner grössten Kunden, Monsanto, unter die Arme zu greifen: Es hat ein Expertengremium eingesetzt mit dem einzigen Ziel, wissenschaftlich zu beweisen, dass Glyphosat nicht krebserregend ist. Ein Gerichtsprozess ist deswegen im Gange.

Die globalisierte Welt ist eine ideale Welt. Für manche jedenfalls. Denn Black Rock, dieser amerikanische Fonds, der in meine ganze Absatzkette investiert, von der Verteilung bis zur Zertifizierung, stösst bei den Regierenden dieses Planeten auf Wohlwollen. Man unterhält enge Beziehungen zur Regierung von Emmanuel Macron. Die Generaldirektorin des Black Rock Investment Institute, Isabelle Mateos y Lago, war im selben Jahrgang an der Elitehochschule ENA wie Premierminister Edouard Philippe. Ironie der Geschichte, Emmanuelle Wargon, ehemalige PR-Direktorin von Danone, heute Staatssekretärin für Ökologie und Mitanimatorin der grossen nationalen Debatte, die zur Antwort auf die Gelbwesten-Bewegung lanciert wurde, gehörte ebenfalls zu diesem Jahrgang. Und der Präsident von Black Rock France, Jean-François Cirelli, ist Mitglied des Komitees Action publique 2022, das von Premierminister Philippe ins Leben gerufen wurde, um den öffentlichen Dienst von morgen zu erarbeiten. Genau den öffentlichen Dienst, für den ihr euch starkmacht, wenn ihr mich tragt.

Sobald meine Fäden abgenutzt sind, werft ihr mich weg. Ich weiss es. Ihr wisst es auch. Ihr werdet euch kaum die Zeit nehmen, mich zu flicken. Wieder werde ich das Schiff besteigen, um in China verbrannt, begraben oder recycelt zu werden. Aber China hat es satt, die Müllkippe der Welt zu sein. Es schliesst die Türen für den ausländischen Abfall. Und so platzen die französischen Mülltrennungszentren seit dem letzten Jahr aus allen Nähten. Der erste Reflex war, sich an andere asiatische Länder zu wenden, Vietnam, Malaysia und Indonesien. Aber die haben ihre Politik ebenfalls verschärft. Europa ist verloren, es gelingt ihm nicht, auf dem eigenen Territorium zu recyceln. Europa versucht Plastik zu verbieten, schiebt aber die Frist immer weiter hinaus. Vielfältige Interessen stecken dahinter.

Ich bin gelb, nur ein paar Euro wert. Ich bin wie das Gemälde von Magritte, «Ceci n’est pas une pipe», «Dies ist keine Pfeife». Ich bin ein Verrat der Bilder. Ich bin die Verkörperung der Revolte, aber ich bin nicht die Revolte. Ich bin nur Massenware, von multinationalen Konzernen produziert, die euch dirigieren. Ihr glaubt, mich für eure Zwecke einsetzen zu können. Ich erwecke die Illusion, dass ihr mit mir Geschichte schreiben könntet. Aber ich bin eine Falle. Eine Fata Morgana. Gelb, heisst es, ist die Farbe der Lüge.

 

 

Aus dem Französischen von Lis Künzli.

 


Nicht links, nicht rechts – oder beides?

Alles begann mit dem Protest der Bevölkerung in der Provinz gegen eine Erhöhung der Benzinpreise, die vor allem sie selbst treffen würde. Menschen, die in strukturschwachen Gebieten auf ihr Auto angewiesen sind, weil Frankreich immer mehr Bus- und Zugverbindungen abseits der grossen Städte kappt. In den Metropolen lässt es sich gut ohne Auto leben – auf dem Land ist man abhängig davon. Also sammelten sie sich: Verkäuferinnen, Selbständige, Handwerker, Alleinerziehende, Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, Arbeitslose, Minijobber. Menschen, die arm sind trotz Arbeit. Menschen, denen die Linken zu extrem sind, die Rechten auch, und für die Macron nicht bürgernah ist. Zu ihnen gesellten sich Verschwörungstheoretiker, wütende Rentner – und auch «richtige» Linke und Rechte. Wer bis heute fehlt, das sind Migranten und das Öko-Bürgertum der Grossstädte. Die Bewegung der Gelbwesten ist Ausdruck einer komplexen Welt: Kann man globalisierungskritisch sein, obwohl man eine Billigweste «made in China» trägt? Kann man links sein, obwohl man für die Erhöhung der Kaufkraft eintritt? Ist man rechts, weil nur wenige Migranten mitmachen? Wenn es brennende Autos und Ärger mit der Polizei gibt – sind die Gelbwesten dann linksextrem? Immer wieder wird eine Unterwanderung von links oder rechts vermutet. Die Heterogenität der Gelbwesten verunsichert Politiker, Analysten und nicht zuletzt Journalisten, die gern die Zusammenhänge einordnen würden.

 

Autoren

Léna Mauger arbeitet seit zehn Jahren  für das französische Magazin XXI, mittlerweile ist sie Chefredakteurin. Auf das Thema ihrer Reportage kam sie zufällig: «Ich wachte eines Morgens auf mit der simplen Frage, wo dieses omnipräsente Objekt herkommt und was uns die Art, wie es hergestellt wird, sagt.» Einer der schwierigsten Teile der Recherche sei die Arbeit in China gewesen. Der chinesische Mittelsmann habe mehr als 20 Warnwesten-Produzenten kontaktiert, aber alle hätten eine Besichtigung der Fabriken verweigert. Reporter Simon Leplâtre besuchte unter falscher Identität eine Produktionsstätte. Nach der Arbeit an dieser Reportage ist das Fazit von Mauger nüchtern: «Wir alle sind Schachfiguren. Ob wir für oder gegen Kapitalismus sind. Die Ökonomie des Marktes hat gewonnen. Wir wissen nicht, was wir konsumieren, selbst wenn wir versuchen, die Herkunft eines Objekts zu erfahren, versinken wir in Gesellschaften und Steueroasen.»

 

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Reportagen #11  — Sushi made in Brazil — von Christoph Wöhrle

Catherine Le Gall, Simon Leplâtre, Léna Mauger unterwegs: