Im Irrenhaus 1887

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«Wo sind wir?», fragte ich.
«In der Irrenanstalt auf Blackwell’s Island», antwortete sie traurig. 
Die historische Reportage.

Nellie Bly

Während die Kutsche rasch über die schönen Wiesen hin zur Anstalt fuhr, wurde meine Befriedigung darüber, endlich das Ziel meiner Anstrengungen erreicht zu haben, durch den verzweifelten Ausdruck auf den Gesichtern meiner Gefährtinnen heftig getrübt. Die armen Frauen! Sie hatten keine Hoffnung auf eine baldige Entlassung. Sie wurden in ein Gefängnis gefahren, ohne jedes eigene Verschulden und aller Wahrscheinlichkeit nach für den Rest ihres Lebens. Wie viel einfacher wäre es, zum Galgen zu gehen, als in diese Gruft des lebendigen Grauens! Der Wagen eilte weiter dahin, und während die langen steinernen Bauten in Sicht kamen, verabschiedete ich mich, ebenso wie meine Gefährtinnen, mit einem letzten verzweifelten Blick von der Freiheit. Wir fuhren an einem niedrigen Gebäude vorbei, und der Gestank war so schrecklich, dass ich meinen Atem anhalten musste. Das müsste die Küche sein, dachte ich mir, und es sollte sich bald herausstellen, dass ich mit meiner Vermutung richtig gelegen hatte. Ich lächelte über das Schild am Ende des Weges: «Besucher sind auf dieser Strasse nicht gestattet». Ich glaube nicht, dass die Verantwortlichen in der Anstaltsverwaltung das Schild noch notwendig gefunden hätten, wenn sie einmal, besonders an einem warmen Tag, diese Strasse entlanggegangen wären.

Der Wagen hielt an, und die Krankenschwester und der zuständige Beamte forderten uns auf auszusteigen. Die Krankenschwester fügte hinzu: «Gott sei Dank! Sie sind friedlich hierhergekommen.» Wir folgten der Anweisung, eine schmale steinerne Treppe hochzugehen, die anscheinend für Menschen gemacht war, die gewöhnlich drei Stufen auf einmal nehmen. Ich fragte mich, ob meine Gefährtinnen wussten, wo wir waren, und so wandte ich mich an Miss Tillie Mayard: «Wo sind wir?»

«In der Irrenanstalt auf Blackwell’s Island», antwortete sie traurig.

«Sind Sie verrückt?», fragte ich.

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