Im Kanal

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Chips und Bier waren sein Leben, heute ist es das Wasser: Bruno schwimmt im Ärmelkanal.

Christof Gertsch

Vom Schnee weiss man, dass er alles unter sich begräbt, Lärm, Hektik, Drama. Auf einmal ist er da, oft etwas unmotiviert, und dann bleibt er einfach liegen, mucksmäuschenstill. Aber vom Meer? Das Meer ist ein flatterhaftes Ungetüm, bald ein Sturm, bald ein Säuseln. Es hegt immer irgendwelche Absichten. Wie trügerisch von ihm, dass es jetzt vor einem liegt, als wäre es mit dem Bügeleisen geglättet und von einer unsichtbaren Macht zum Schweigen gebracht worden. Die Wellen sind klitzeklein, kein Vergleich zu den vorangegangenen Tagen, nicht das leiseste Geräusch ist zu vernehmen. Es fühlt sich an wie in einer Grossstadt am Sonntagmorgen nach der langen Partynacht, wenn der erste Schnee fällt und das Leben erlahmt. Da sind einzig das eintönige Knattern des Schiffsmotors und ein Plätschern. Ein Plätschern auf der Steuerbordseite des kleinen Kutters. Das Plätschern eines Schwimmers.

 

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