Im Kanal

Chips und Bier waren sein Leben, heute ist es das Wasser: Bruno schwimmt im Ärmelkanal.

Christof Gertsch

Vom Schnee weiss man, dass er alles unter sich begräbt, Lärm, Hektik, Drama. Auf einmal ist er da, oft etwas unmotiviert, und dann bleibt er einfach liegen, mucksmäuschenstill. Aber vom Meer? Das Meer ist ein flatterhaftes Ungetüm, bald ein Sturm, bald ein Säuseln. Es hegt immer irgendwelche Absichten. Wie trügerisch von ihm, dass es jetzt vor einem liegt, als wäre es mit dem Bügeleisen geglättet und von einer unsichtbaren Macht zum Schweigen gebracht worden. Die Wellen sind klitzeklein, kein Vergleich zu den vorangegangenen Tagen, nicht das leiseste Geräusch ist zu vernehmen. Es fühlt sich an wie in einer Grossstadt am Sonntagmorgen nach der langen Partynacht, wenn der erste Schnee fällt und das Leben erlahmt. Da sind einzig das eintönige Knattern des Schiffsmotors und ein Plätschern. Ein Plätschern auf der Steuerbordseite des kleinen Kutters. Das Plätschern eines Schwimmers.

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Es ist Bruno Baumgartner, ein Tier von einem Mann, beständig wirft er seine Pratzen aufs Wasser, links, rechts, links, atmen, rechts, links, rechts, atmen. Am Horizont verabschiedet sich die Sonne, dazu das Meer, der Kutter und Bruno, Bruno in Gold, so hat er es sich erträumt, ein Bild für die Götter. 
Willkommen im Ärmelkanal, diesem Ausbund an Unwägbarkeiten, willkommen zwischen England und Frankreich. Zwei Wochen lang hat die Meerenge Brunos Durchquerung verhindert. Zwei Wochen lang hat sie sich von der wüstesten Seite gezeigt, hat Wind, Regen, Kälte mobilisiert, nur um sich im Moment, in dem die Abreise geplant war, weil die Arbeit daheim ja nicht ewig liegenbleiben kann, voller Sanftheit vor Bruno auszubreiten. Wie bösartig, wie launenhaft! Dass es vielleicht so kommen musste, sagt sich leicht im Nachhinein.

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Als sich Bruno vor zwei Wochen aufgemacht hatte nach Dover, 100 Meilen südöstlich von London an der Kalkfelsenküste Englands, ahnte er nicht, wie unerträglich ihm die Warterei mit der Zeit vorkommen würde. Er richtete sich in einem Hotel unten am Strand ein, und am ersten Abend ging er zum Chinesen. Es roch nach Bratfett, an den Wänden hing Glitzerzeugs und blinkten Schriftzeichen in Rosa, Gelb und Hellgrün. Er trank zwei, drei Pints, dazu das üppige Buffet, all you can eat, 9 Pfund 95, gelangweilte Bedienung. Am zweiten Abend testete er den Italiener, kleiner Saal, kleine Küche, kleines Menü, alles alt, warm, herzlich. Und auch am dritten Abend zog er durch den Ort auf der Suche nach einem Restaurant. Es war der Abend, an dem er merkte, dass es mit der Reichhaltigkeit des kulinarischen Angebots nicht weit her war in Dover. Keine guten Voraussetzungen für seinen Plan, der da lautete: sich so lange zu beschäftigen, bis der Kanal ihn in seine Arme schliessen und ihm eine Durchquerung ermöglichen würde.
Bruno fand eine Spelunke, liess sich Währschaftes auftischen und dachte nach übers Wetter, das schlecht war und noch schlechter werden sollte. Da sass er also, ein Mann von 43 Jahren, ein Informatiker aus dem Berner Oberland mit kecker Kurzhaarfrisur und treuem Blick, einem Blick zum Verlieben. Und harrte der Dinge. Ob er erlöst würde von seiner Suche, lag nicht mehr in seinen Händen. Sondern in jenen des Kanals.
Aber der Reihe nach.
Bruno war eine Sportskanone gewesen, ein Hansdampf in allen Gassen. Einige Jahre lang besass er ein Pferd, er versuchte es auch als Läufer, Radfahrer, Billardspieler. Stets jagte er sich von null auf hundert, und stets kam ihm die geringe Halbwertszeit seiner Motivation in die Quere, stets stellte sich die Begeisterung als Feuer heraus, das erlosch, kaum war es entflammt. Er rannte, bis ihm die Füsse brannten, und er fuhr Rad, bis ihm das Gesäss schmerzte. Und von einem Tag auf den anderen hörte er auf, ohne Erklärung. Er wurde alt und älter, und immer öfter knallte er sich nach der Arbeit auf die Couch, Fernseher ein, Bier auf, Chips-Schüssel her. An manchen Tagen sehnte er den Nachmittag und damit die Apéro-Zeit schon am Morgen herbei, Alkohol mochte nicht die Lösung sein, aber wenigstens übertünchte er den Zustand des Dahinvegetierens. Nur Joëlle liess sich nicht täuschen, Brunos Ehefrau, quietschfidel, sie vermisste den Mann, den sie geheiratet hatte, den Mann mit Energie und Tatendrang. Den Mann, der sich von ihr entfernt hatte, als er sein Pferd verkaufte und nicht mehr mit ihr Ausreiten ging.
Bruno wusste, dass Joëlle die gemeinsamen Momente fehlten, und wahrscheinlich war es das letzte bisschen seines schlechten Gewissens, das ihn an einem trüben Sonntagnachmittag dazu veranlasste, sie ins Hallenbad zu begleiten. Ausgerechnet! Er konnte ja kaum eine Länge schwimmen, ohne ausser Atem zu geraten. Aber nun war er da, und unter der Dusche stehen zu bleiben, war keine Option. Widerwillig sprang er ins Becken. 
Und es geschah. 
Das Geschrei der Kinder verkam zu einem dumpfen Geräusch, und der Ärger über die Platzansprüche der brustschwimmenden Grossmütter verschwand. Bruno erfuhr Ruhe. Und wie er sich von der Einsamkeit einlullen liess und die wohlige Kälte auf der Haut spürte, wie er ein paar Armzüge machte und ihm das Wasser durch die Finger rann wie feiner Sand, übermannte ihn ein Gefühl, das er lange nicht erlebt hatte, vielleicht noch nie: Der Mann ohne Ziel, dessen Leben ohne feste Absichten seinen Gang nahm, Bruno also war – angekommen. Daheim. Er war seinen Empfindungen gegenüber so abgestumpft gewesen, dass er nicht gemerkt hatte, wie sehr er sich nach etwas Glück sehnte.
Doch damit begannen die Probleme erst. Wie konnte er das Glück ein weiteres Mal abrufen, ohne dass die Unzufriedenheit über den unzureichenden Schwimmstil und die Kurzatmigkeit das Erlebnis trüben würden? Bruno musste richtig Schwimmen lernen, mit 39 Jahren und 20 Kilo Übergewicht. Aber wie würde er vor den Leuten in seinem Umfeld dastehen, wenn er in einem halben Jahr Lust auf Kamelreiten oder Golfspielen hätte und nicht mehr auf Schwimmen? Was würde mit den Badehosen geschehen – würden sie auf dem Estrich landen wie einst die Laufschuhe, das Rennvelo, der Billard-Queue? Er musste die flüchtige Motivation übertölpeln, musste sich der Sprunghaftigkeit von früher bedienen, von null auf hundert – und einfach auf hundert bleiben. Vielleicht war es Zufall, dass sich Bruno fürs Schwimmen entschied, um den Beweis anzutreten, sehr wohl zu einer Art Beständigkeit imstande zu sein, vielleicht ging’s weniger ums Schwimmen als um den Zeitpunkt. Jedenfalls nahm er sich vor, sich und seine Freunde Lügen zu strafen. Er hatte ein Projekt: es für einmal richtig zu machen. Eine Mission: sich und den Menschen um ihn herum zu beweisen, dass er über Lebenslust verfügte, allen voran Joëlle.
Und so kam es, dass drei Hallenbadbesuche pro Woche bald nicht mehr genügten, und bald reichten auch fünf nicht aus, um die Leere zu füllen. Und wenn Bruno nach Hause kam, schaltete er den Computer ein und suchte im Internet Videos von Ian Thorpe und Alexander Popow, er studierte die Stile der Grossen, die er aus den Sportübertragungen kannte, spulte vor und zurück, immer wieder, und am nächsten Tag setzte er im Wasser um, was sich im Kopf eingebrannt hatte. Nach zwei Monaten gab es keinen Tag mehr, an dem er sich nicht im Hallenbad aufhielt, er feilte an der Kraft des Beinschlags und am hohen Ellenbogen, er verbesserte die Stellung der Hand im Wasser und die Atemtechnik, und es diktierte nicht mehr die Arbeit den Tagesablauf, Bruno war selbständig, sondern der Sport.
Was nicht bedeutete, dass Bruno über den Berg gewesen wäre. Zwei Monate sind nichts in einem Menschenleben, erst recht nicht in einem, das auf die 40 zuging. Die Unlust konnte jederzeit über Bruno hereinbrechen. Als er eines Abends auf der Heimfahrt darüber und auch über den nahenden Geburtstag nachdachte, überkam ihn, was er später als rettende Idee bezeichnete. Er erinnerte sich eines Films, den er als Kind gesehen hatte, ein Film von einem Ärmelkanalschwimmer. Er googelte. Und stiess auf die Geschichten eines Soldaten, eines Seemanns und eines Säufers.

1815: Ein Soldat springt von Bord, um sich nicht in die Schlacht bei Waterloo begeben zu müssen. Die Chance, dem Kanal zu entkommen, erachtet er als grösser als jene, den Kampf zu überleben. So falsch liegt er nicht. Von 200 000 Soldaten auf französischer, preussischer und allierter Seite sterben oder verletzen sich knapp 50 000. Kurz vor der französischen Küste wird der Abtrünnige von einem Fischkutter aufgegriffen, der ihn das letzte Stück mitnimmt, nur darum geht seine Flucht nicht als erste offizielle Kanalquerung in die Historie ein.
1875: Captain Matthew Webb sticht für einmal nicht mit einem Schiff in See, sondern steigt vor Dover in den Kanal und macht sich auf den Weg, mit purer Manneskraft. Sein Ziel ist Calais auf der gegenüberliegenden Seite, 34 Kilometer beträgt die direkte Linie, es ist die schmalste Stelle der Meerenge. Webb wird von der Strömung abgetrieben, nach 21 Stunden und 45 Minuten setzt er den Fuss wieder auf festen Boden. Die Premiere. Acht Jahre später verunglückt er beim Versuch, die Whirlpool Rapids zu durchqueren, die Stromschnellen unterhalb der Niagarafälle.
1994: In Dover macht das Gerede von einem komischen Amerikaner die Runde, der jeden Abend im gleichen Pub auftaucht und ein Bier trinkt, mutterseelenallein. Niemand weiss, woher er kommt und wohin er geht und was ihn so lange in Dover hält. Dabei wartet Chad Hundeby, drei Jahre zuvor Weltmeister im 25-Kilometer-Schwimmen, nur auf gutes Wetter, und als es so weit ist, begibt er sich hinunter zum Strand und schwimmt los, wie einst Webb, der Begründer des Ärmelkanalschwimmens, und wie seither einige andere. Vielleicht tausend haben es bis nach drüben geschafft, genauer ist die Zahl nicht in Erfahrung zu bringen, obwohl die Channel Swimming Association seit 1927 Aufzeichnungen macht und exakt vorgibt, was als gelungener Versuch gewertet werden darf und was nicht. Sicher ist: Es haben viel mehr Kletterer den Mount Everest erklommen als Schwimmer den Kanal durchquert. 7 Stunden und 17 Minuten benötigt Hundeby bis Calais. Rekord.
Bruno war hingerissen. Nicht vom Ärmelkanal, zu dem Zeitpunkt wusste er noch nicht einmal, dass es sich dabei um das Nonplusultra für Langstreckenschwimmer handelte. Sondern von den Geschichten, den Geschichten vom Soldaten, vom Seemann, vom Säufer.
Kitschig? Tja, so war’s, so und nicht anders.

Die drei Männer, zu denen Bruno eine Art Seelenverwandtschaft verspürte, verpassten seiner impulsiven Schwimmerei auf einmal einen Sinn:: dereinst den Kanal zu durchqueren. Etwas Bleibendes tun. «Nicht für die Welt», sagte Bruno, «meine Güte, sicher nicht. Sondern für mich.»
Also: noch mehr Training. Zwei Stunden pro Einheit, wie ein Spitzensportler. Und: Joëlle von dem Plan erzählen, was gar nicht so leicht war. Als sie Bruno zur Rede gestellt und ihn um mehr gemeinsame Zeit gebeten hatte, hatte sie kaum im Sinn, fortan am Bassinrand oder am Seeufer zu sitzen und zuzuschauen. Und schliesslich: Informationen sammeln. Wie sich an die Kälte gewöhnen? Mit Schwimmen im See schon im Frühling, etwa im Oeschinensee, 15 Grad kalt, 6 Stunden lang. Wie den Versuch offiziell machen, wo sich anmelden? Bei der Channel Swimming Association, 2500 Pfund, 700 im Voraus, darin eingeschlossen: die Administrationsgebühren und der einwöchige Slot bei einem akkreditierten Kapitän, der einen sicherheitshalber und aus verpflegungstechnischen Gründen mit einem Boot und einer kleinen Crew begleitet. Und wie sich der Distanz annähern? Mit Distanzschwimmen natürlich, es ist die Übung, Dummkopf!, im Thunersee zum Beispiel, ohne viel zu überlegen, Kopf runter und los. Und als es, nun ja, ein bisschen oder auch deutlich besser ging: Marathonschwimmen im Zürichsee, 26,4 Kilometer, Durchquerung des Neuenburgersees, 15 Stunden, von der dänischen Insel Lolland zur deutschen Insel Fehmarn, 18 Kilometer in 4 Stunden und 53 Minuten, Streckenrekord, schneller als der Deutsche Christof Wandratsch, ein Meister des Fachs und Brunos Vorbild.

Vom Thunersee also nach Dover, innert dreier Jahre. Dritter Tag des Wartens, hinein in die Spelunke. Nachdenken übers Wetter. Diesmal kein Pint, dafür auf dem Heimweg eine Flasche Shiraz von der Tankstelle, die auch spätabends Alkohol verkaufte. Bruno freute sich auf die Badewanne und einen Schluck Wein, Wein aus dem Becher, in den eigentlich die Zahnbürste gehört hätte. Und wenn es nicht bereits dunkel gewesen wäre, hätte er auf dem Hügel mit der Burg die Fahne im Wind flattern gesehen, ruhelos und in alle Richtungen, und er hätte gewusst, dass es auch morgen nichts werden würde, keine Ärmelkanaldurchquerung. Aber so musste er bis zum grossen Platz im Zentrum gehen, in der Mitte ein Brunnen, auf den Bänken ein paar Lümmel in Trainerhosen und Lederjacken, Bier in Dosen, rundherum Gebäude aus rotem Backstein, darunter das Dover Museum mit der einen verstaubten Vitrine für Ärmelkanalschwimmer-Pokale, und auf der Seite zum Kanal hin die grosse Leinwand, die Leinwand mit den Abendnachrichten von BBC und der Wettersendung, und da hiess es: Wind, Regen, Kälte, noch tagelang.
Beim Frühstück die Wetter-App, die sich Bruno auf dem iPhone installiert hatte, Blümchendecke auf den Tischen, auf dem Computer die Homepage des britischen Wetterdienstes, die sich Bruno als Startseite eingerichtet hatte, auf dem Teller Eier, Würste, Speck, Bohnen, dazu der Blick aus dem Fenster: Wind, Regen, Kälte. Anruf bei Stuart, dem Kapitän, den sich Bruno ausgesucht hatte und der trotz der späten Jahreszeit, es war September, und die Schwimmsaison ging ihrem Ende zu, versicherte, dass Hoffnung bestehe. Er war es Bruno schuldig. Vor einem Jahr, als Bruno zum ersten Mal nach Dover gereist war, um sich mit dem Kanal anzulegen. Das Wetter war schlecht, was eine Konstante zu sein schien in Dover, und Stuart stand unter Druck, weil er in der einen Woche noch zwei andere Schwimmer rüberbringen wollte, also nahm er Bruno einen Tag zu früh mit aufs Wasser. Der Blick vom Kiesstrand auf den Kanal täuschte. Das Meer war erst im Begriff, sich von den Unruhen zu erholen. In der Mitte waren die Wellen noch immer zwei, drei, vier Meter hoch, wie kleine Erschütterungen nach einem heftigen Erdbeben. Zwei, drei, vier Stunden lang ging’s gut, aber dann fing Bruno an Wasser zu schlucken, und bald konnte der Magen den hohen Salzgehalt nicht mehr vertragen. Bruno übergab sich. Entkräftet stieg er ins Boot, ein Häufchen Elend.
Offenbar liess auch Stuart sich berühren, ein Mann, der doch vieles schon gesehen hatte, ein richtiger Seebär. Jedenfalls machte die Geschichte die Runde, fast wie jene vom Soldaten, vom Seemann oder vom Säufer. Denn als sich Bruno nun hinunter zum Wasser begab, ein ganzes Jahr nach dem misslungenen ersten Versuch und gestärkt vom English Breakfast, um wenn schon nicht nach Frankreich zu schwimmen, so doch wenigstens zwischen den Quaimauern zu trainieren, der Angewöhnung halber, wussten die Leute, wer er war. Rechts die Stellplätze der Jachten und Segelschiffe, links der riesige Fährhafen, Hochbetrieb, und in der Mitte des knapp anderthalb Kilometer langen Strands ein Zelt, die Haken wegen der heftigen Böen tief in den Boden gerammt, darum herum Campingstühle und Menschen, die in ihrer unmodischen Kleidung ein bisschen aussahen wie Hippies. Fehlte nur das Lagerfeuer.

Aber der Eindruck täuschte. Niemand gehörte so sehr an den Strand von Dover wie die Menschen, die Bruno begrüssten. Es waren Ärmelkanalschwimmer. Sie trafen sich schon seit Jahrzehnten jeden Morgen oder jedes Wochenende zum Schwimmen. Schwimmen im Kanal war für sie eine Freizeitbeschäftigung wie für französische Pensionäre das Pétanquespiel. Sie hatten nichts gemein mit den Leistungssportlern aus dem Fernsehen und genaugenommen auch nicht viel mit Bruno, sie waren in die Jahre gekommen und hatten eher ein Fettpölsterchen zu viel auf den Hüften als eines zu wenig. 
Was, je nach Herangehensweise, sogar ein Vorteil sein kann. Es gibt zwei Taktiken, den Kanal zu durchqueren: Entweder ist man topfit und wehrt sich gegen die Kälte, indem man schnell schwimmt. Oder man ist etwas weniger fit und schwimmt etwas weniger schnell und wehrt sich gegen die Kälte mit Körperfett. Die Menschen, die um das Zelt herumstanden, gehörten zur zweiten Sorte, fast ausnahmslos, und sie waren damit nicht weniger erfolgreich, im Gegenteil. 
Kevin zum Beispiel, Kevin Murphy, 63-jährig und behaart von Kopf über Wampe bis Fuss, war «The King of the Channel», so oft wie er war kein Mann nach Frankreich geschwommen, 34-mal seit 1965, Wahnsinn. Er bemerkte den irritierten Blick, legte sich die Hände auf den üppigen Bauch und sagte, ehe er zufrieden drauflosprustete: «Das hast du mir nicht zugetraut, oder?» Oder Freda, Freda Streeter, 73-jährig, in Trainerhosen und Poloshirt und mit schlohweissem Haar, die Mutter von Alison, der «Queen of the Channel». 43-mal war Alison die Strecke geschwommen, 11-mal mehr als Kevin, stets an ihrer Seite, also im Boot, als Betreuerin: Freda.
Freda war so etwas wie das Herzstück der Hippies, pardon: der Ärmelkanalschwimmer. Seit 30 Jahren fuhr sie jedes Wochenende die 70 Meilen von ihrem Wohnort Nutfield nach Dover, von Mai bis September, setzte sich auf den Stuhl und bewunderte die Schwimmer für das, was sie auf sich nahmen. So oft sie die Tochter begleitet hatte, so viel hatte sie weiterzugeben. 30 Pfund kosteten ihre Dienste für eine Saison, aber dafür war sie rund um die Uhr für Ratschläge erreichbar, ihr Handy war immer eingeschaltet, auch wenn sie sich am Abend neben ihrem Mann schlafen legte. Und wenn die Schwimmer vom Training im Hafenbecken an den Strand zurückkehrten, gab es aus der Kühlbox von Freda Riegel und Bananen ohne Ende. Sie klärte Neuankömmlinge über die Regeln auf, und wenn die sich trotzdem nicht daran hielten und viel zu nah an die an- oder ablegenden Fähren heranschwammen, schüttelte sie kurz, aber milde den Kopf und beobachtete mit Kennerblick, wie die Küstenwache ausrückte. «Ich liebe es, Menschen dabei zu helfen, ihre Träume zu verwirklichen», sagte sie, und der Wind blies ihr um die Ohren, und der Regen peitschte ihr ins Gesicht. Bei der Gelegenheit sparte sie auch nicht mit Ernährungstipps für Bruno und für den Fall, dass das Wetter doch noch einen Versuch zulassen würde. Wenn Bruno unterwegs Lust auf Süsses bekomme, sagte Freda, solle man ihm ein Milky Way reichen, aber auf keinen Fall ein Mars oder ein Snickers. «Mars und Snickers kleben an den Zähnen fest, und das bringst du bis Frankreich nicht mehr raus.» 
Kevin und Freda wussten alles über den Kanal, und sie hatten alles gesehen. Sie hatten gesehen, wie im Schnitt vier von fünf Schwimmern scheiterten, die sich an die Durchquerung wagten, wegen Unterkühlung oder weil die Blase keinen Urin mehr lassen konnte, wegen zu hoher Wellen oder zu weiten Umwegen, wegen falscher Ernährung – oder schlicht: aus purer Erschöpfung. Sie waren dabei, als ein Japaner, der kaum schwimmen konnte, den Kanal in 21 Stunden meisterte und nachher stolz wie ein Pfau auf den Titel des «langsamsten Japaners» war. Und sie erlebten einen Deutschen, wie er 18-mal nach Dover reiste, ehe er es endlich nach Frankreich schaffte, 18-mal! Kevin und Freda waren das gute Gewissen, sie kümmerten sich wie Schafhirten um die ausländischen Gäste, um Gäste wie Bruno. Sie waren mit sich im Reinen, und vielleicht brachten sie darum so viel Geduld auf mit den Suchenden. 
Suchenden wie John, Johnny Walker, dem Kalifornier mit dem lustigen Namen. Er war zur selben Zeit in Dover wie Bruno, einmal überredete er Bruno sogar zu einem Nachtschwimmen: «Man weiss nie, wann der Kapitän den Befehl zum Losschwimmen gibt», sagte er, «ich will auf alles vorbereitet sein.» John erzählte, dass er daheim sehr von seinem Beruf eingespannt sei und dass er nur den einen Versuch habe, um den Kanal zu durchqueren. «Ein zweites Mal wird es nicht geben, ich kann es mir nicht leisten.» John war immer schon da, wenn Bruno zum Hafen schlenderte und den Rucksack im Sand deponierte, und er blieb auch länger in Dover als Bruno. Lange nach Brunos Rückkehr schrieb er auf Facebook: «Weather nightmare. I’m leaving today.» Sein Kapitän hatte den Versuch nicht einmal anzutreten gewagt.

Das Geschäft mit den Ärmelkanalschwimmern mag lukrativ sein für die Männer mit ihren Kuttern, lukrativer jedenfalls als der Fischfang, aber über allem steht der Respekt gegenüber dem Kanal mit seinen selten voraussehbaren Strömungen, mit seinen Wellen und dem Salzgehalt, der Kanal als eine der meistbefahrenen Meerengen der Welt, 600 Containerschiffe und Fähren pro Tag, dazu vielleicht 200 Schwimmer pro Jahr. Wie er zum Mekka der Langstreckenschwimmer hat werden können, zum «Blue Riband», wie sie ihn in Anlehnung an den Preis für die schnellste Atlantiküberquerung eines Passagierschiffes nennen, ist trotzdem schwer zu erklären. Es gibt anspruchsvollere Strecken als ihn, etwa den Irish Channel, fiesere Strömungen, kälteres Wasser, mehr Störefriede, darunter Quallen. Wahrscheinlich liegen dem Mythos viele Zufälle zugrunde. Und der Umstand, dass die CSA, die Channel Swimming Association, schon 1927 gegründet worden ist. Sie verlieh dem Ärmelkanalschwimmen das Antlitz des Offiziellen zu einer Zeit, da Sport als Freizeitbeschäftigung bestenfalls gutbetuchten Sonderlingen vergönnt war, vor allem weil ihr Regelwerk bis aufs letzte Detail ausgearbeitet ist und keine Ausnahmen zulässt, längst gilt es als Standard für alle anderen Langstreckenschwimmen rund um die Welt. Das Begleitboot unterwegs berühren? Verboten! Sich im Sog eines anderen Schwimmers fortbewegen? Verboten! Wärmende Neoprenanzüge anziehen? Verboten!
Bruno hätte auch um Manhattan herumschwimmen können oder von der einen Hawaii-Insel zur andern, aber es war der Kanal, der ihn anzog, wie viele Träumer vor ihm, Träumer aus aller Welt.
Zum Beispiel Trent Grimsey, den Australier, den Spitzensportler aus dem Bilderbuch, der kurz vor Bruno in Dover weilte und den Streckenrekord auf unter sieben Stunden senkte.
Oder die Gruppe ausgeflippter junger Mexikanerinnen, die so schlecht Englisch sprachen, dass sie in der Stadt nicht einmal einen Kebab bestellen konnten ohne fremde Hilfe, die es sich aber zutrauten, den Kanal in einer Viererstaffel zu durchqueren. Staffeln sind von der CSA erlaubt, ebenso wie zwei- oder dreifache Querungen, sogenannte two- oder three-ways, alles schon vorgekommen, alles schon geschafft von Menschen, die sich 9, 10 oder bis zu 50 Stunden lang im Kanal aufhielten.
Oder Sam, die Frau mit dem derben Humor, ein Crew-Mitglied von Kapitän Stuart und zudem eine von der CSA beglaubigte Aufpasserin, früher hatte sie jede freie Minute im Kanal verbracht – bis ihre Kinder alt genug waren, um eine Meinung zu äussern, und die Meinung war: «Mommy, wir finden es nicht lustig, immer am Strand zu sitzen und auf dich zu warten.»
Oder die alte Frau, von der Hüfte abwärts gelähmt, die sich von Kevin und Freda einmal pro Woche ans Wasser bringen liess und im Hafenbecken Längen zog, anderthalb Kilometer lange Längen, hin und zurück, und wenn sie fertig war und sich von den Wellen an Land treiben liess, strahlte sie übers ganze Gesicht, obwohl sie sich vor lauter Erschöpfung kaum in den Rollstuhl hieven konnte.
Oder Julie, Dr. Julie Bradshaw, die oben in Loughborough lebte, vier Autostunden entfernt von Dover, die den Ärmelkanal im Delphin- und nicht im Crawlstil gemeistert hatte, 14 Stunden und 18 Minuten, unvorstellbar, als ob man einen Marathon auf den Händen und nicht auf den Füssen hinter sich bringen würde. Crawl kann jeder, der sich ein bisschen mit Schwimmen beschäftigt, mal besser, mal schlechter, aber Delphin ist die Reifeprüfung, die anstrengendste aller Techniken, selbst Spitzenschwimmern brennen die Arme bereits auf den ersten Metern.
Bruno war Crawlschwimmer, wie alle, ausser Julie. Doch die Frage blieb: Wie war der Kanal zu meistern? Freda fuhr sich mit Daumen und Zeigefinger über die spröden Lippen und goss sich aus der Thermoskanne heissen Tee nach, in aller Gemütsruhe, als hätte sie auf die Frage gewartet. Ihr Neun-Punkte-Programm:
1.    Geh an den Strand
2.    Schwimm los
3.    Lass dich nicht ablenken
4.    Beklag dich nicht
5.    Vertrau dem Kapitän auf dem Begleitboot, er führt dich sicher ans Ziel
6.    Denk nicht zu weit, sondern nur von Verpflegungspause zu Verpflegungspause
7.    Frag nie, wie lange es noch dauert
8.    Schau nicht nach vorn
9.    Und schau schon gar nicht zurück

Was das Neun-Punkte-Programm nicht berücksichtigte: die fast divenhaften Allüren des Kanals. Kevin und Freda litten mit Bruno, auf eine eigenartige Weise fühlten sie sich verantwortlich für die miese Wetterlage, mit jedem Tag mehr, den Bruno warten musste. Freda tröstete mit dicken Schmatzern auf die Backe, Kevin mit Schulterklopfen. Und am Tag, an dem Freda Geburtstag hatte, wurde Kuchen in Tupperware-Geschirr herumgereicht, auch die Mexikanerinnen griffen zu und auch John, Johnny Walker, und als Bruno auftauchte und sich umschaute, das Zelt und die Campingstühle, der Wind und die Kälte, sagte er: «Weisst du, was mir hier so gefällt? Dass jeder aus einem anderen Grund hier ist. Dass jeder ein Päckli mit sich herumschleppt, das ihn hierhergebracht hat.» Sein Päckli waren das Übergewicht und die Unzufriedenheit gewesen, und eigentlich hatte er beides bereits abgelegt. Aber das merkte er in dem Moment nicht, er sah nur, dass der Kanal widerborstig war und dass ihm Kevin, Freda und die anderen Einheimischen einen Lebensschritt voraus waren: Sie hatten den Kanal gemeistert. All die Herzlichkeit änderte nichts daran, dass sich Bruno nicht ganz zugehörig fühlte. Es kam ihm vor, als stünde ihm die Aufmerksamkeit der Alten nicht zu. «Ich schwimme wahrscheinlich doppelt so schnell wie Kevin», sagte er, «Kevin ist ein Diesel, er legt sich ins Wasser und bekommt einfach nicht kalt. Aber er war schon 34-mal drüben. Ich noch nie.»
Geschwindigkeit war kein Mass für Kevin und Freda, nicht im Wasser und nicht im Leben, und genaugenommen spielte auch Anerkennung keine Rolle, vielleicht früher mal, aber Kevin und Freda hatten sich damit abgefunden, dass sie als Eigenbrötler galten. Die Bevölkerung von Dover kümmerte sich keinen Deut um sie und die anderen Ärmelkanalschwimmer, zwar gab es auf der Promenade eine Statue, die ihnen gewidmet war, aber die war derart misslungen, dass sie nicht als solche zu erkennen war. Und das Pub, in dem sich die Schwimmer bis vor kurzem getroffen und in dem sie sich mit ihren Unterschriften an den Wänden verewigt hatten, hatte dichtmachen müssen. Dover hatte keine Verwendung für die Ärmelkanalschwimmer. Manchmal kam es sogar vor, dass ein Politiker ein Verbot forderte, so wie es die Franzosen drüben längst erlassen hatten, ein Verbot des Ärmelkanalschwimmens, aus Sicherheitsgründen, wegen des vielen Verkehrs in der Meerenge. Die Ärmelkanalschwimmer als Ärgernis. Sie strahlten keinen Glamour aus wie andere Abenteuersportler, wie die tollkühnen Extrembergsteiger, Wüstenläufer, Fallschirmspringer, aber sie brauchten auch nichts, nur die Schwimmbrille und die Badehose und vielleicht ein bisschen Melkfett unter den Armen und zwischen den Beinen gegen den Wundbrand, und natürlich: den Kapitän und seinen Kutter.

Tag 13 in Dover, ein Freitag, Anruf von Stuart. «Morgen», sagte Stuart, «morgen könnte es klappen.» Bruno traute seinen Ohren kaum. Abschied also von Kevin und Freda, ein Abendessen noch und dann ins Bett, die Erlösung zum Greifen nah, bald, so dachte er, würde er sich mit den Alten auf gleicher Augenhöhe unterhalten können. Ein Blick ins Internet, und tatsächlich: «Windguru», eine Seite für die Vorhersage der Windverhältnisse, deutete ein kleines Zeitfenster an, ein Schlupfloch, in dem die Durchquerung möglich sein könnte, die letzten ruhigen Stunden, ehe der Herbst hereinbrach.
Frühstücksraum, Blümchendecke, wieder Stuart, diesmal per SMS. Er habe sich leider getäuscht. Kein Schlupfloch beziehungsweise ein zu kleines, kein Versuch. Ob Bruno ihn am Strand treffen wolle, um für nächstes Jahr einen Termin auszumachen? Bruno? Bruno am Boden.
Der Strand, die Sicht auf den Kanal, die Tränen, Tränen in Brunos Augen. Wieder nichts? Stuart kramte einen Fresszettel hervor, darauf die Schwimmer, die sich für die kommende Saison angemeldet hatten, er zeigte Bruno die Lücken, da, da und da, «im August ginge noch», «vielleicht Ende Juni», «was ist dir lieber?» Bruno zögerte, und Stuart, etwas ungeduldig, schaute auf sein Mobiltelefon. Ein anderer Kapitän hatte sich gemeldet, einer, der sich bereits auf dem Wasser befand, und er verkündete: «Versucht es! Das Wetter beruhigt sich.»
Stuart nickte, weg war die Knorrigkeit, und auch Bruno nickte. Nach drei Jahren Vorbereitung und 13 Tagen Warten in Dover blieb eine Stunde Zeit, um ins Hotel zu eilen, die Trinkflaschen mit der Kohlehydrat- und Fruchtzucker-Flüssigkeit zu füllen und die Leuchtstäbe einzupacken, es wurde ja bald dunkel. Im Jachthafen ankerte die «Sea Leopard», Stuarts Kutter, wie putzig, Leinen los!, Bruno im Wasser.

Links, rechts, links, atmen, rechts, links, rechts, atmen. Kein Kindergeschrei und keine brustschwimmenden Grossmütter mit unverschämten Platzansprüchen, nur der Kanal, zwischen Dover und dem Cap Gris-Nez 34 Kilometer breit und bis zu 50 Meter tief, hinten die Kalkfelsenküste, vorne die Containerschiffe, überall die Dämmerung, dazu Bruno, ein Menschlein, komplette Isolation. Gedanken driften ab und werden ungreifbar, der sorgsam geformte Meisterleib des Schwimmers verrichtet seine Arbeit, gewaltige Körperlichkeit, der Mensch wird nicht, was er ist, er ist, was er wird. Im Kopf tanzt sich das Glück in Trance, vor dem inneren Auge Bilder von unbeschreiblicher Schönheit, die lapidare Repetition der Armzüge und Beinschläge vereinigt sich zum Kunstwerk, einem Kunstwerk, das nach Freiheit lechzt und Selbstbestimmung, eines auch, das die Erlösung in sich selber sucht, ein Armzug und noch einer, ein Beinschlag und noch einer, immer weiter, und irgendwann wird Bruno am Ziel sein, in Frankreich, aber so weit darf er nicht denken, das wusste schon Freda, stattdessen: von Verpflegungspause zu Verpflegungspause, jede halbe Stunde.
Es wird kühl, Bruno trinkt heissen Tee, die Bidons werden ihm an langen Schnüren zugeworfen, er schlottert ein bisschen, nach vier Stunden ist die Hälfte der Distanz geschafft. Stuart navigiert geschickt, die Strömung kann kein Unheil anrichten, Bruno ist auf gutem Weg, er hat sich mit dem Kanal arrangiert.
Nur mit dem eigenen Versagen, nein, damit hat er nicht gerechnet. Ein Schrei durchbricht das Knattern des Schiffsmotors, markerschütternd, kein Plätschern der Arme mehr. Bruno greift sich an die Schulter, sie fühlt sich an, als würde sie platzen vor Schmerz, die Sehne hat sich entzündet, wie sich später herausstellen wird, wie aus dem Nichts, die Beine strampeln, Bruno schafft es kaum, sich über Wasser zu halten. Sam, die Aufpasserin der Channel Swimming Association, ruft: «Halte dich vom Boot fern! Sobald du das Boot berührst, ist dein Versuch ungültig!» Aber Bruno will nicht hören, kann nicht, er verschluckt sich, wieder das Salzwasser, er röchelt. Mit Müh und Not schwimmt er zum Boot, am Heck kraxelt er die Treppe hoch, er rutscht aus und fällt runter, nochmals von vorne, Lärm, Hektik, Drama, von wegen Sonntagmorgen nach der langen Partynacht.
Keine Umarmung vom Kanal also, oder aber: fast erdrückt worden von der Umarmung, fast erdrückt von der plötzlichen Leichtigkeit, in der sich der Kanal präsentierte. Nicht am Kanal ist Bruno gescheitert, sondern an sich selber, zerschellt am eigenen Körper, der sich aufgelehnt hat. Die Rückfahrt in den Jachthafen dauert eine kleine Ewigkeit, Bruno in der Wärmedecke, erneut, ein Häufchen Elend, schon wieder. Tags darauf die Heimkehr via Frankreich, mit dem Auto in die Fähre, in der Fähre über den Kanal, mit tausend anderen Menschen, ein Mensch unter vielen. Aber einer, von null auf hundert, dem der Weg zum Ziel mehr gegeben hat, als es die Zielankunft je könnte.
«Manchmal», sagt Bruno viele Wochen später, das Meer ist fern, «manchmal ist es schöner, sich auf der Suche zu befinden, als am Ende angelangt zu sein.» Draussen liegt Schnee, er hat alles unter sich begraben, auch die Enttäuschung, mucksmäuschenstill

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