Im Transit: Szenen aus dem Unterwegs

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Unzählige Begegnungen und Erlebnisse aus fünf Kontinenten, verdichtet zu einer literarischen Reise: Ein Experiment.

Roger Willemsen

Ich streife durch den Speckgürtel einer mitteldeutschen Kleinstadt und beobachte die Wiederkehr mittelalterlicher Wehrarchitektur im Sozialwohnbau der siebziger Jahre, wo die Fenster noch wie Schiessscharten sind, tief und klein. Die Unsinnlichkeit der Verteidigungsarchitektur ist Teil ihrer Funktion. Man befand sich im Krieg. Auch die deutsche Nachkriegsarchitektur entstand noch in der Unsinnlichkeit, dem Selbstverzicht, der Abwehr gegen sich selbst und die Schrecken des Aussenraums. Leistete man sich einen Schmuck, dann als Kunst am Bau, abstrahierend, pädagogisch. In strengen Formen sehnte man sich nach dem Ornament, dem sinnlos Erfreuenden. Zwischen den Mauern also gilt wie zwischen den Hügeln: Das Romantische ist das Unausrottbare. Kaum liegt da ein Tal mit ein paar Häusern darin, schon sammelt sich darin der Geist einer anderen Zeit, anderer Ideale. Man ist immer entweder ein Heimischer oder ein Fremder. Ich bin immer wieder lieber ein Fremder.

 

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