Im Treibsand der Fakten

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Kann die israelische Gedenkstätte Yad Vashem die Wahrheit vor ihren Feinden schützen?

Jonathan Freedland

Die Woge kam so plötzlich wie ein aufbrausender Sturm. Der Horizont sackte ab, während der Bug sich mit den Wellen hob und senkte. Mein Magen drängte nach oben, die Übelkeit war abrupt und nicht zu

unterdrücken. Ich schaute nach unten; schwindelig, ich griff nach einem Geländer, um mich festzuhalten, die Sicherheit von etwas Festem zu spüren, während alles um mich herum sich stetig hob und senkte, hob und senkte.

 

Die Erinnerung an diesen Augenblick ist nie verblasst. Er verfolgt mich noch heute. Wäre es eine gewöhnliche Seekrankheit gewesen, hätte ich sie gewiss längst vergessen. Aber dies war etwas anderes, die Angst, die sie auslöste, reichte tiefer. Nicht zuletzt, weil sie mich damals auf trockenem Land heimsuchte.

Es geschah in den ersten Wochen dieses Jahrhunderts. Im Winter 2000. Ich war Anfang dreissig, schrieb für eine britische Zeitung und lebte in London mit der Frau zusammen, die noch im selben Sommer meine Braut werden sollte. Es herrschte eine schneidende Kälte, doch in meiner Erinnerung war die Aussicht sonnig. Und nicht nur für mich.

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