König der Türmchen

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Seine Bauten bilden die Skyline der Kleinstadt Chur. Mit «Little Dubai» setzt Thomas Domenig seinem Lebenswerk die Krone auf.

Margrit Sprecher

Hier ist alles Chef. Der Ledersessel, der ihn wuchtig umfasst. Die strategisch mit Papieren ausgelegte Schreibtischlandschaft. Und die schiere Grösse des Büros, nicht irgendwo gelegen, sondern im «höchsten Hochhaus Graubündens», wie er am Telefon präzisierte. Natürlich hat er den Wolkenkratzer selbst gebaut. Wie alles andere auch, was auf dem Churer Stadtplan gelb gefärbt ist. Thomas Domenig kennt das ungläubige Staunen der Besucher beim Anblick der grell getupften Karte. Er nimmt es zum Anlass, um seinen mächtigen Körper auf seinem mächtigen Stuhl herumzuschwingen und den Plan zu betrachten, als sehe er ihn zum ersten Mal. Fast ein Drittel von Churs Fläche ist markiert. «Dabei ist das nicht mal der neuste Stand. Die Farbe ist mir ausgegangen.» Wären Thomas Domenigs Bauten Vorposten einer feindlichen Armee – Chur wäre verloren. Im Norden umzingeln seine Hochhäuser die Stadt im Flankengriff. Im Süden kontrollieren zwei brandneue Wolkenkratzer die Aus- und Einfahrt. Auch in der Altstadt hat Thomas Domenig seinen architektonisch wuchtigen Prankenabdruck hinterlassen. Hotels und Banken, Waren- und Parkhäuser – alles von ihm. Im mittelalterlichen Gässchen-Gewirr wirken seine Bauten, als stünden sie mit ausgefahrenen Ellbogen da.

 

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