Keine Geschichte

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Wolfgang schwört: alles wahr, alles passiert, genau so.

Johannes Musial

Wolfgang hatte sich verliebt. So einfach war das – und so kompliziert. Auf jeden Fall war es der Beginn dieser verrückten Geschichte. Zu Wolfgang muss man wissen, dass er trotz des Namens erst Mitte dreissig ist. Man muss auch wissen, dass er gar nicht Wolfgang heisst, aber einen ähnlich altbackenen Vornamen hat. Den will er hier lieber nicht lesen. Weil er sich Sorgen macht, im Knast zu landen wegen der ganzen Sache.

Jedes Wochenende geht Wolfgang feiern, tanzt schon mal tagelang durch die Clubs von Berlin. Zumindest tat er das, als die Clubs noch offen waren. Oft allein, damit er besser Frauen kennenlernen konnte. Im «Berghain», dem berüchtigten Hauptstadtschuppen, erzählte ihm mal jemand von einem Rave irgendwo in Indien, und er flog kurzerhand für ein paar Tage hin. So einer ist der Wolfgang.

Die Sache nimmt ihren Lauf im Sommer vor der Pandemie, im Juli 2019. Wolfgang ist mal wieder in einem seiner Lieblingsläden, dem «Kit Kat», wo viel geht, Rausch und Sex und Fetisch. Schon seine letzte Freundin hatte er hier kennengelernt. Sie war Tunesierin, zum Feiern in der Stadt, zusammen mit ihrer besten Freundin, ausgerechnet der Tochter des tunesischen Premiers. Am nächsten Tag reisten die beiden weiter nach Paris, und Wolfgang ging zu seinem Chef. «Ich brauche Urlaub. Ich muss nach Paris!», sagte er. Später, die Frau war mittlerweile seine Freundin, machte er ihr einen Antrag am Meer. Er hatte einen Goldring gekauft. Aber sie wollte nicht, also warf er den Schmuck in die Fluten.

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