Liebe mich oder stirb

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Fast jeden dritten Tag tötet in Italien ein Mann seine Partnerin. Auch im Dorf Tenno kommt es zu einem Femizid. Wie ein Dorf fast daran zerbricht, eines Femizid-Opfers zu gedenken.

Margherita Bettoni

Sie sassen immer auf der weissen Plastikbank, direkt unter dem Küchenfenster. Sie drehten Zigaretten, gaben einander Feuer, rauchten. Ihr Blick fiel über die Dächer der Häuser im Tal und auf die Berge der Voralpen. Im Süden, hinter einem Hügel, lag der Gardasee.

Massimo Baroni denkt oft daran. Er selbst brachte seiner Tochter Alba Chiara das Rauchen bei, und das Drehen. Den Tabak auf das knisternde Papier legen, ihn damit einrollen, den Papierrand belecken. Rauchen, auch Alkohol trinken: Sachen, die seine erstgeborene Tochter lieber mit ihm machen sollte als mit Unbekannten.

Im März 2017 hat Alba Chiara ihn auf der Bank überrascht. «Papa, Mattia und ich sind nicht mehr zusammen», hat sie ihm gesagt, den Rücken an die Bank gelehnt. Massimo hat seine Tochter angeschaut: «Was redest du da? Er sitzt doch gerade bei uns in der Küche?» «Denk kurz nach, Papa. Hast du uns heute küssen sehen?», hat sie ihm geantwortet. Massimo hat kurz überlegt, tatsächlich: Den ganzen Abend lang hatte es keinen Kuss, keine Umarmung zwischen seiner Tochter und ihrem Freund Mattia Stanga gegeben.

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