Marseille baut um

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Starbucks, Louis Vuitton und Co. verdrängen die Bewohner aus dem Zentrum von Europas Kulturhauptstadt 2013.

Urs Mannhart

Voller Ecken und Enden ist diese Geschichte, es wird das Beste sein, ich beginne in der Mitte: im Zentrum Marseilles, jener Stadt, die sich, zusammen mit der umliegenden Provence, dieses Jahr das Etikett Kulturhauptstadt Europas ans Hemd stecken darf, jener Stadt, die seit längerem bemüht ist, als Metropole gelten zu dürfen und eben doch nur, wie es die kühlherzigen Urbanisten sagen, einen Brei zermanschter Agglomerationen darstellt – im Zentrum Marseilles befindet sich eine schnurgerade, von wenig Verkehr geplagte und zum Flanieren prädestinierte Strasse, die sich ihrer Unbescheidenheit entsprechend Rue de la République nennt. Wer hier flanieren will – zum Beispiel die zu Vergnüglichkeiten fest entschlossenen Kreuzfahrttouristen, von denen Sibylle Berg in der fünften Nummer von Reportagen berichtet – hat auf 1,2 Kilometern Länge und auf breiten Bürgersteigen beste Gelegenheit, dies zu tun – aber er spaziert entlang geschlossener, zugenagelter, zugebretterter Lokale, entlang leerstehender Wohnungen, und während konsumverführte Menschen in anderen Zentren abends rasch in einen glitzernden H&M hüpfen, um sich einen billig zusammengenähten Stofffetzen zu gönnen, stehen dieselben Menschen im Zentrum Marseilles im fahlen Licht trauriger Lampen und schauen zu, wie sich Obdachlose mit Kartons, Decken und Plastik in Hauseingangsnischen für die Nacht herrichten

 

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