Massaker in Marikana

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Zwanzig Jahre nach dem Ende der Apartheid in Südafrika schiessen erneut Polizisten auf Streikende.

Claas Relotius

Hinweis

Die Berichterstattung von Claas Relotius steht nach SPIEGEL-Recherchen im Dezember 2018 unter dem Verdacht weitgehender Fälschungen und Manipulationen durch den Autor. Betroffen ist in Teilen auch diese Reportage, die Relotius für unser Magazin verfasst hat. Hier der Stand unserer Nachrecherchen (Januar 2019):

Dies ist die Geschichte über die letzten Tage eines Bergarbeiters in Marikana, Südafrika, der 2012 bei einem Arbeiterstreik durch Schüsse der Polizei ums Leben gekommen sein soll.

PROTAGONIST: 

Auf Hinweis eines südafrikanischen Journalisten und Sachbuchautors, der alle Opferfamilien des Massakers kennt, unternahmen wir 2017 eine sorgfältige Nachrecherche. Wir stiessen auf Studien, die belegten, dass keines der Opfer aus Kongo stammte. Der Protagonist des Textes aber schon. Wir vermuteten, dass Relotius selbst einem Betrüger auf den Leim gekrochen war, und konfrontierten ihn mit den Fakten. Beim Austausch mit dem Buchautor in Südafrika gelang es Relotius, alle Zweifel zu zerstreuen.


Der 16. August 2012, Tag des Massakers, war ein heisser Tag, so heiss, dass die Autos zweier Fernsehteams, die sich von Rustenburg aus eilig auf den Weg zu den Bergbauanlagen von Marikana gemacht hatten, mit überhitzten Motoren auf halber Strecke stehen blieben. Die Reporter sollten in der Ferne nur wenig später das donnernde Echo der Schüsse hören und wabernde Gasschwaden sehen, die sich nahe der Minen wie helle Gewänder in den Himmel erhoben. Seit sieben Tagen und Nächten hatten dort, wo der britische Bergbaukonzern Lonmin in grossen Mengen Platin abbauen lässt, mehr als 3000 Bergleute die Arbeit eingestellt, um für höhere Löhne zu streiken. Statt wie gewöhnlich schon am frühen Morgen in die Tiefe der Minenschächte hinabzufahren, hatten sie sich in einer grossen Gruppe auf eine nahegelegene Anhöhe zurückgezogen, um dort auszuharren, bis das Unternehmen ihre Forderungen erfüllte. Der Protest begann friedlich, führte im Laufe der Woche aber zu immer heftigeren Auseinandersetzungen zwischen den Arbeitern, ihrer Gewerkschaft und der Polizei. Die Gewalt schaukelte sich hoch. Zehn Menschen starben. Zuletzt zwei Wachmänner, die einzelne Bergarbeiter töteten und anschliessend in ihrem Dienstwagen verbrannten.

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