Mireille Zindel im Gespräch

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Mireille Zindel, Autorin von «Wieso Zoé gehen musste», im Gespräch.

Esther Göbel

Reportagen: Wenn einem das eigene Kind wegstirbt: Wie findet man danach seinen Platz zurück in der Welt, deren ganze Sinnlosigkeit sich ja durch diesen Tod offenbart? Geht das überhaupt?

Mireille Zindel: Ja, das geht. Aber man ist danach verändert. Ich bin sehr bescheiden geworden. Man kann nach einem solchen Verlust wieder glücklich werden, auch fröhlich sein. Es gibt so einen «Akutmoment», nachdem die geliebte Person gestorben ist: der Schock über das Ereignis, das man einfach nicht fassen kann. Dieser «Moment» dauert relativ lange an, vielleicht ein Jahr, in dem wirklich alles irgendwie auseinanderfällt, man nicht mehr normal funktioniert, völlig durcheinander ist. Aber man kann wieder zurückfinden.

 

Was hat Sie in diesem ersten Jahr gerettet?

Ich habe sehr viel gelesen. Sachbücher zum Thema, angefangen von Literatur über Palliativmedizin bis zu esoterisch angehauchten Büchern. Nachdem Zoé gestorben war, sind mein Mann und ich zwei Wochen in die Berge gefahren, und ich weiss noch, dass ich mir vor der Abreise in der Buchhandlung einen Stapel Bücher besorgt habe. Das hat mir geholfen: Erfahrungen von anderen zu lesen, Wissen anzusammeln. Das ist ja das Verrückte an einer solchen Situation: Es ist der komplette Ausnahmezustand – aber auf der anderen Seite etwas, das alltäglich passiert. Der Verlust einer geliebten Person ist ja etwas Alltägliches. Der grösste Trost war für mich damals allerdings der Gedanke, wieder Kinder zu bekommen. Die Hoffnung darauf.

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